Diskussion um Sozialgeld

Wiener arbeitete 30 Jahre – lebt von 10 Euro pro Tag

Eine Familie aus Syrien bekommt 4.600 Euro Mindestsicherung im Monat. Das stört einen Wiener, der nach 30 Jahren Arbeit nur 890 Euro bekommt.
Maxim Zdziarski
01.08.2024, 15:46

"Wo ist hier die Gerechtigkeit?", fragt sich Chris im "Heute"-Talk. Nachdem klar wurde, dass eine neunköpfige syrische Familie insgesamt 4.600 Euro monatlich vom Staat bekommt, platzte dem 55-jährigen Wiener der Kragen.

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Er selbst hat nämlich 30 Jahre lang gearbeitet, doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihm. Vor einigen Jahren erkrankte Chris und konnte seinen Beruf in der Telekommunikationsbranche nicht mehr weiter ausführen. Es folgte die Arbeitslosigkeit. Nun bezieht er die Notstandshilfe und bekommt nur geringe staatliche Zuwendungen.

"Aktuell bin ich aufgrund meiner Krankheit arbeitslos und bekomme Notstandhilfe sowie Wohnbeihilfe", erzählt der 55-Jährige. In Summe hat er also monatlich 980 Euro zur Verfügung. Abzüglich seiner Fixkosten für Wohnung, Strom, Gas und Internet, bleiben dem Wiener 300 Euro im Monat übrig. Das sind zirka zehn Euro pro Tag, die er für den täglichen Bedarf ausgeben kann.

Wiener muss erspartes Geld jetzt ausgeben

In der Zwischenzeit hat Chris bereits versucht, seine Notstandshilfe auf die Mindestsicherung aufstocken zu lassen. Allerdings überschreitet sein über die Jahre erspartes Geld die Vermögensgrenze von 6.935 Euro. Das bedeutet: Der 55-Jährige muss zuerst sein eigenes Geld ausgeben, damit er mehr vom Staat in Anspruch nehmen kann.

Hinzu kommt, dass er regelmäßig zu Bewerbungsgesprächen mit den Öffis fährt. Eine ermäßigte Monatskarte gib es nicht, also zahlt er jedes Mal 4,80 für den Weg. "Die Mindestsicherungsbezieher bekommen ermäßigte Tickets, ich muss den vollen Preis bezahlen", ärgert er sich.

„Das sind extreme Ungerechtigkeiten!“
Chris aus WienArbeitslos

Ähnliche Differenzen gibt es bei Urlauben: Wenn Chris nämlich ins Ausland fahren möchte, muss er sich von der Notstandshilfe abmelden. Mindestsicherungsbezieher dürfen jedoch ohne Bekanntgabe für zwei Wochen ins Ausland reisen. Chris hingegen muss jeden Auslandsaufenthalt melden, da er in der Zeit seinen Tagessatz nicht ausbezahlt bekommt.

In Anbetracht dessen, dass die neunköpfige Familie 4.600 Euro monatlich bekommt, fühlt sich Chris gefrotzelt: "So bestraft man die Menschen, die gearbeitet haben und sich etwas auf die Seite gelegt haben. Das sind extreme Ungerechtigkeiten!"

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