TV-Duelle im ORF am 20. September: Erst Nehammer gegen Kogler, dann Kickl gegen Babler.
Helmut Graf, Screenshot ORF/Montage "Heute"
Der Wahlkampf kehrt am Freitagabend auf die politische Bühne zurück. Aufgrund der dramatischen Hochwassersituation hatte es seit vergangenen Samstag eine Zwangspause gegeben, die Spitzenkandidaten sagten geplante Wahl-Auftritte ab. Verschoben wurden auch die ursprünglich für Montag geplanten ORF-TV-Duelle zwischen Herbert Kickl (FPÖ) und Andreas Babler (SPÖ) sowie zwischen Karl Nehammer (ÖVP) und Werner Kogler.
Als neuer Termin für diese TV-Konfrontationen wurde der 20. September fixiert. Nach fast einer Woche Pause nimmt der Wahlkampf also jetzt wieder Fahrt auf für die Finalwoche. Freitagabend, zur besten Sendezeit – um 20.15 bzw. 21:05 Uhr – steigen die Spitzenkandidaten in den ORF-Ring und eröffnen damit den Endspurt um Wählerstimmen.
Regierungspärchen
Den Anfang macht um 20:15 Uhr das schwarz-grüne "Regierungspärchen" – Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne). Erst am Mittwoch haben die beiden gemeinsam ein milliardenschweres Hochwasser-Hilfspaket präsentiert – jetzt treten sie in der ORF-Arena bei Moderatorin Alexandra Maritza Wachter gegeneinander an.
Wilder Streit ist hier nicht zu erwarten. Aber: In der Koalition herrschte in den letzte Wochen ziemlich dicke Luft – Konflikte liegen genug am Tisch, angefangen vom Alleingang der grünen Umweltministerin Leonore Gewessler mit Ihrem Ja zum EU-Renaturierungsgesetz bis zu unterschiedlichen Positionen beim Thema Auto. Nehammer ist ja vehement gegen ein Verbrenner-Aus.
Ruhig und sachlich
Der Kanzler werde die Diskussion mit Kogler ruhig und sachlich anlegen, war im Vorfeld von ÖVP-Insidern zu hören. Nehammer setzt ja im gesamten Wahlkampf auf sein staatsmännisches Image, wirbt mit Begriffen wie Stabilität und Verantwortung um Stimmen für die ÖVP.
Bei diesem TV-Duell geht es aber wohl weder für Nehammer noch für Kogler um sehr viel. Umgarnen werden sie sich kaum – denn dass sie ihre Polit-Ehe verlängern, ist sehr unwahrscheinlich. Hart streiten müssen sie auch nicht, denn sie werden einander wohl keine Wähler wegnehmen. Allenfalls könnten sie kleine Pfeile schießen, was nicht alles hätte umgesetzt werden können, wenn nicht der jeweils andere gebremst hätte.
Brisanter wird zweifellos das zweite Duell des Abends. Ab 21:05 Uhr heißt es Herbert Kickl (FPÖ) gegen Andreas Babler (SPÖ), moderiert von Susanne Schnabl. Zwischen den beiden geht gar nichts – nicht erst, seit Babler dem FPÖ-Chef am Ende der ersten Elefantenrunde eine Hassrede entgegengebellt hat und ihn als "brandgefährlich" bezeichnete. Kickl hatte das ziemlich verblüfft über sich ergehen lassen – mag sein, dass er für das Freitags-Duell eine Retourkutsche vorbereitet hat. Wobei Beobachter eher damit rechnen, dass beide Herren sich mit untergriffigen Attacken, welche die Wähler auf beiden Seiten abschrecken könnten, zurückhalten werden.
Kickl wolle sachlich bleiben und sich nicht provozieren lassen, ist aus seinem Umfeld zu hören. Er habe aber durchaus vor, Babler – den er wiederholt als "Marxisten" angeprangert hatte – inhaltlich "vorzuführen". Zu rechnen ist damit, dass er sich über das SPÖ-Programm und die innerparteilichen Querelen lustig macht.
Genderstreit
Aufgelegtes Thema für den Oberblauen könnte der am Donnerstag entbrannte "Geschlechterstreit" sein. Die SPÖ hat am Mittwoch im Parlament einer von der schwarz-grünen Regierung vorgeschlagenen Änderung des Gleichbehandlungsgesetzes zugestimmt, dass die Formulierung "Frauen und Männer" gestrichen wird. Damit wird Kickl Babler sehr wahrscheinlich konfrontieren und ordentlich ätzen.
Sowohl Babler wie Kickl werden für sich reklamieren, die Sorgen und Nöte der Menschen jeweils besser zu kennen. Der SPÖ-Chef betont ja stets seine Herkunft aus einer Arbeiterfamilie und seine Bodenständigkeit. Kickl spricht er die von ihm behauptete "Volksnähe" ab, wird ihn eher als Diener der Unternehmen darstellen wollen. Die Teuerung endlich wirklich bekämpfen zu wollen, schreiben sich jedenfalls beide auf die Fahnen.
Punkten will Babler gegen Kickl dem Vernehmen nach bei den Themen Gesundheit und Pensionen. Drängt Kickl wie zu erwarten die Diskussion Richtung Asyl und Migration, wolle Babler die SPÖ-Linie der Menschlichkeit betonen.
Dem SPÖ-Chef werde es darum gehen darzulegen, was eine Neuauflage von Blau-Schwarz mit einem Kanzler Kickl bedeuten würde. Der Oberblaue seinerseits wird kaum darauf verzichten, Bablers Programm runterzumachen.
Mobilisieren für den Endspurt
Polit-Analysten gehen davon aus, dass sowohl Kickl wie Babler das Duell nutzen werden, um ihre Fans für den Endspurt weiter zu mobilisieren. Einander Wähler abzugraben, wird es in größerem Stil nicht mehr spielen. Im SPÖ-Wählerteich hat Kickl bereits so gut wie alles gefischt, was er kriegen konnte, meinen Demoskopen. Kickl wird eher darauf spitzen, ÖVP-Wähler zu sich herüberzuziehen. Das steht dann beim TV-Duell Kickl-Nehammer am Montag (23. September) an.
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