Die Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP, SPÖ und NEOS laufen und laufen und laufen. Die Verhandlungen der 33 Untergruppen um eine "Austro-Ampel" sind am Freitag zu Ende gegangen. Jetzt sind die übergeordneten Steuerungsgruppen am Zug.
In der zweiten Folge seines Podcasts "Karl, wie geht's?" lässt Bundeskanzler Karl Nehammer nun ein wenig hinter die Kulissen der laufenden Verhandlungen blicken – und warum sie so lange dauern. Über die Hälfte der Österreicher wünscht sich eine neue Regierung noch vor Weihnachten.
"Ich verstehe die Ungeduld. [...] Wir sind noch immer im Zeitfahrplan der türkis-grünen Koalitionsverhandlungen der letzten Bundesregierung. Kein Grund, Alarm zu rufen", beschwichtigt der 52-Jährige im Gespräch mit Mediencoach Georg Wawschinek.
Es sei jedoch ein Unterschied, ob man eine Landesregierung oder eine Bundesregierung verhandle. "Der Unterschied liegt in der Frage der Aufgabenverteilung. Die [Aufgaben] des Bundes sind sehr umfassend und detailreich, jetzt in den Koalitionsverhandlungen z. B. auch in der Frage 'wie gehen wir mit dem Budget um', 'wie mit Brüssel und deren Vorgaben zum Budget'. Es geht um 250 Milliarden Euro, über die jetzt verhandelt wird, wie man am besten den Haushalt konsolidiert, also stabil macht."
Der flapsige Einwurf des Moderators, die Koalitionsverhandlungen würden dem Feilschen um einen sauberen Ehevertrag ähneln, widerspricht Nehammer vehement: "Keine Koalition war bisher eine Liebesbeziehung, soll's auch nicht sein. Vertrag stimmt, ja, es ist tatsächlich das Zusammenarbeiten von verschiedenen Partnern, mit einem Ziel, das ist das Regierungsprogramm. Aber diese Hineininterpretation ins Emotionale, das hat mir noch nie wirklich getaugt."
Ganz im Gegenteil: "Das Streiten gehört dazu, denn alles was jetzt erstritten wird, ist nachher kein Streitthema mehr in einer allfälligen Bundesregierung, [...] bevor es dann später immer wieder zu Sand im Getriebe kommt. Das zipft dann die Menschen zurecht an, dass nichts weitergeht. Dieser Verantwortung wollen wir Rechnung tragen".
Für einen Lacher sorgt das Duo gleich zu Beginn der Aufzeichnung, als Wawschinek über den Erfolg des Premieren-Talks spricht. "Wir waren Nummer 1 der Podcast-Charts. Aber die schlechte Nachricht ist, wie wenn du als Pop-Musiker einen echten Hit hast: Wir können bei Folge 2 nur abkacken". "Super", lacht Nehammer – vielleicht wohl wissend, dass dies auch auf seine zweite Amtszeit zutreffen könnte.