"Ja, was soll ich sagen, es kommt einem wie Urlaub vor", sagt Bettina Rischnig, die ehemalige Standortleiterin der kika/Leiner-Filiale in Vösendorf bei Wien. Die Kärntnerin, die rückblickend "viele Häuser der Möbelhändlergruppe durch hat", zog zuletzt für "heiße vier Monate" von Kärnten in eine Dienstwohnung nahe ihres neuen Einsatzortes.
"Wir steckten mitten in der Sanierung", erzählt Rischnig, die noch immer nicht ganz glauben kann, dass sie jetzt nicht mehr "um acht Uhr auf der Matte" steht. Weniger als ein halbes Jahr später ist die 36-Jährige, entgegen ihrer Erwartungen, wieder nach Kärnten zurückgezogen. Noch immer hallen die letzten Monate nach, sagt sie.
Zur Erinnerung: Nach drei Übernahmen schloss das Traditionsunternehmen kika/Leiner Ende Jänner endgültig seine letzten verblieben Filialen. Rund 1.350 Beschäftigten standen vor einer ungewissen Zukunft. Das Land Niederösterreich und die Arbeiterkammer hatten zuvor eine sogenannte Arbeitsstiftung eingerichtet – ein Notfallprogramm, das mit drei Millionen Euro ausgestattet wurde und zumindest 300 Mitarbeiter auffangen soll. Alleine in Niederösterreich, kolportierte das AMS, hätten bis zu 550 Mitarbeiter ihre Jobs verloren.
"Spucken wir in die Hände, das wird schon", dachte sich Rischnig, als sie in Vösendorf übernahm. Tatsächlich sei die Stimmung anfangs steil nach oben gegangen. Seit Sommer 2023 waren die letzten verbliebenen Filialen im Besitz der Grazer Supernova-Gruppe, die sie von der mittlerweile ebenfalls insolventen Signa-Gruppe übernommen hatte. Hierfür war ein Verkaufspreis von 400 Millionen Euro kolportiert worden. Für den symbolischen Betrag von 3 Euro ging das operative Geschäft an Investor Hermann Wieser.
Natürlich habe man in der Belegschaft Herrn Wieser mit der Konkurrenz, also mit der XXXLutz-Gruppe verbunden, erklärt Rischnig, möchte dann aber klarstellen: "Hermann Wieser hat das aber immer klar dementiert." Überhaupt sei viel darüber gemunkelt worden, wer möglicherweise vom Konkurs profitiert haben könnte. Über die tatsächlichen Vorgänge habe aber niemand etwas gewusst.
"Du wirst nie wissen, was oben passiert", sagte sich Rischnig als frisch gebackene Filialleiterin in Vösendorf. Üblicherweise habe auf dieser Ebene niemand Einblick in das interne Controlling. "Du kannst einem Ikea und einem XXXLutz nicht das Monopol überlassen", habe sich die Kärntnerin damals gesagt. So habe sie ab September 2024 an sechs Tagen die Woche gearbeitet, ohne sich einen einzigen Tag freizunehmen.
In so einer Situation wachse man ganz einfach zusammen. "Wir waren bis zum bitteren Ende eine Mannschaft", sagt Rischnig. Noch immer bestünde die alte WhatsApp-Gruppe ihrer Filiale, in der auch Josef P. dabei sei, der "Heute" erzählte, wie er nach 37 Jahren von der kika/Leiner-Gruppe gekündigt wurde.
Während P. in einer Tischlerei wieder Arbeit gefunden hat, sucht Rischnig derzeit noch keinen neuen Job. "Ich habe noch keinen freien Kopf dazu", sagt sie. Das Gefühl, sie müsse jetzt in die Filiale, beschleiche sie jeden Morgen: "Es ist eine Art dauerhaftes inneres Kribbeln, das nicht weggeht."
Dabei sei die Stimmung in Vösendorf bis zuletzt gut gewesen. Zwar sei sie von Galgenhumor geprägt gewesen, aber auch von positivem Stress – niemand habe aufhören wollen: "Den Schabernack der Obrigkeiten haben wir weggesteckt, so gut es eben ging."
"Man hat uns immer wieder verkauft", sagt Rischnig. Sie ist aufgebracht. Wer sei das nicht, nach all dem Bangen um die Jobs? Jahre sei das so gegangen, bis es dann endgültig aus war.
Am Ende haben sich die Standortleiter noch einmal in Salzburg getroffen – "Heute" berichtete über die Krisenstimmung im Team und wie die Kika/Leiner-Chefs feierten. Es war ein Abschied in kleiner Runde, bei Leberkäse und Bier in einer leerstehenden Filiale. "Es war traurig", erinnert sich die ehemalige Filialleiterin.
"Ich habe jetzt zehn Jahre mit Menschen am Buckl", sagt sie und fügt dann an: "Ich würde das immer wieder machen, keine Frage." Die 36-Jährige möchte bald wieder eine führende Position einnehmen. Dann lacht Rischnig: "Yogalehrerin wird aus mir keine mehr, auch wenn ich feststellen musste, dass die Jobsituation in Kärnten ebenso keine gute ist."