Kiloweise Gold und Millionenbeträge in Bar lagen im Tresor: Neben allem, was über die gesuchte Schamanin Mariana M. (44) alias "Amela" und ihre verdächtige Familie bereits bekannt ist, landeten Ermittler auch bei einer zweiten Razzia vor Kurzem einen zweiten Volltreffer und fanden erneut gehortetes Bargeld im Anwesen in Maria-Enzersdorf (NÖ) – in einem Geheimversteck im Keller.
Dort schlugen die Spürhunde an. Rund 50.000 Euro lagen in Einkaufstaschen im zubetonierten ehemaligen Pool. Der früher mit Wasser gefüllte "Raum" war nur über einen unterm Teppich versteckte Falltüre zugängig. "Das gefundene Geld wurde nach der ersten Razzia vom Sparbuch der Großmutter abgehoben, um die laufenden Kosten der Familie zu decken", ärgerte sich Verteidiger Michael Babic.
Aufgrund des Verdachts der kriminellen Vereinigung klickten vor Ort aber auch für die 29-jährige Schwiegertochter der flüchtigen Schamanin Handschellen – wir berichteten. Denn: Ein Ehepaar (54, 53) aus Wien hatte verschollenen Schmuck eindeutig auf Fotos der Polizei erkannt, der im Haus in NÖ gefunden worden war.
Eine Brosche mit dem Bild der Großmutter der 53-Jährigen und zwei Silbermünzen in Schachteln, die das Paar zur Hochzeit geschenkt bekommen hatte, belasteten die zweite Verdächtige schwer. Denn: Die Wienerin erinnerte sich, wie sie im November 2022 ebenfalls Opfer einer Schamanin wurde, die der Schwiegertochter verdächtig ähnelte.
Anhand von Fotos und Stimmaufzeichnungen identifizierte sie die Frau als die angeblich "hellsichtige" Inderin namens "Anna", von der sie in einem Kaufhaus in Wien angesprochen wurde. "Die Frau behauptete, ich sei wie Maria und mein Sohn wäre der Erlöser, der die Welt von dunklen Mächten befreien würde. Irgendwie hatte sie mich in diese mystische Welt hineingezogen", so die Wienerin, die ebenfalls ihr gesamtes Vermögen verlor.
Rund 530.000 Euro gingen bei Reinigungsritualen mit verknoteten Schnüren und rohen Eiern drauf. Auch in diesem Fall wurden Dämonen, die angeblich Verwandten nach dem Leben trachteten, als Druckmittel verwendet. Die Unschuldsvermutung gilt.
Fotos von Preziosen und anderen Wertgegenständen sind auf der Fahndungsseite der Homepage der Landespolizeidirektion Niederösterreich (www.polizei.gv.at/noe/lpd/fahndung/fahndung.aspx) ersichtlich.
Laut Polizei NÖ gingen in den vergangene Tagen schon 130 Hinweise ein. "Bisher konnten wir fünf Fälle nachweisen, wo wirklich die Anruferinnen und Anrufer Opfer der Betrügerinnen geworden sind", so Polizeisprecher Johann Baumschlager. Opfer der mutmaßlichen Betrügerin im In- und Ausland werden ersucht, die Ermittler des LKA Niederösterreich unter Tel.: +43 59133 303333 zu kontaktieren. Ebenso sind Hinweise zum Aufenthalt der flüchtigen "Amela" erbeten.