Sergio Ermotti

Top-Banker versteht Kritik an seinem Mega-Gehalt nicht

Im Interview mit dem "Migros-Magazin" bespricht Ermotti die Credit-Suisse-Integration, zu strenge Bankenregulationen und Kritik an seiner Entlohnung.
31.12.2024, 10:02

Sergio Ermotti ist einer der bekanntesten und einflussreichsten Banker der Schweiz. Der Tessiner kehrte im April 2023 notfallmäßig als CEO zur UBS zurück, nachdem er die Großbank ab 2011 schon neun Jahre geleitet hatte. Jetzt kommt ihm die schwierige Aufgabe zuteil, die Credit Suisse in die UBS zu integrieren. Im Interview mit dem "Migros-Magazin" besprach Ermotti einige seiner wichtigsten aktuellen Herausforderungen.

Mit dem Führungsposten bei der UBS ist viel Arbeit verbunden, wie die Beschreibung von Ermottis Alltag zeigt. Er stehe von Montag bis Freitag um 5.45 Uhr auf, seine Arbeitstage umfassten dann zwölf bis 14 Stunden – "je nachdem, ob ich noch ein Dinner habe". Trotzdem finde er noch Zeit, zweimal wöchentlich ins Fitnessstudio zu gehen.

"Ich hielt es für meine Pflicht"

Dass er vom Verwaltungsrat angefragt wurde, in einer besonders schwierigen Ära zurückzukehren, bezeichnet der 64-Jährige als große Ehre. Für seine Zusage seien zwei Faktoren ausschlaggebend gewesen: "Ich hielt es für meine Pflicht. Und es reizte mich, eines der wichtigsten Kapitel der globalen Finanzindustrie mitzuschreiben."

Die Kritik an seiner großzügigen Entlöhnung – Ermotti erhielt für neun Monate Arbeit 14 Millionen Franken (Anm. fast 15 Millionen Euro) – kann der Banker nicht nachvollziehen. Er betont seine bescheidenen Anfänge: Als Lehrling habe er zunächst einen Monatslohn von 350 Franken (ca. 370 Euro) gehabt. Heute sagt er: "Ich kenne den Wert des Geldes und verstehe, dass mein heutiger Lohn vielen nicht normal erscheint."

Ermotti: Bei Sportlern gibts keine Kritik an Gehalt

Es sei jedoch der Verwaltungsrat, der seine Vergütung festlege – und fast 90 Prozent der Aktionäre hätten bei der letzten GV zugestimmt. Ihm sei es wichtig, anhand seiner Leistungen und wie seine Konkurrenten bezahlt zu werden. Zudem verstehe er nicht, wieso es so viel Kritik an Vergütungen in der Wirtschaft gebe, während dies im Sport und Entertainment hingenommen werde.

Derweil hält es Ermotti für wenig wahrscheinlich, dass die neue UBS in Schieflage gerät und lehnt darum übertriebene Regulierungen ab. Der Schweizer Finanzplatz müsse konkurrenzfähig bleiben. "Wir befürworten viele der vorgeschlagenen Maßnahmen, aber sie müssen gezielt und verhältnismäßig sein", so Ermotti. Bei der Credit Suisse sei das schlechte Wirtschaften, das sich über Jahre hingezogen habe, ausschlaggebend gewesen für den Niedergang.

Banken haben Lehren gezogen

Heute seien die Dinge zudem anders als bei der Finanzkrise von 2008: Die Bilanzsumme von UBS und Credit Suisse sei kombiniert rund 60 Prozent tiefer als vor der Krise. Während das Investment Banking damals noch etwa zwei Drittel der Bilanz ausmachte, beanspruche der Bereich nach der Integration der beiden Banken nicht mehr als 25 Prozent des Kapitals.

Ermotti gibt an, dass die Großbanken weltweit insgesamt ihre Lehren gezogen hätten und dass sie in Krisen heute ein Stabilitätsfaktor und nicht ein Problem darstellten.

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