"Untätigkeit nicht verzeihen"

EU rüstet sich jetzt für großen Krieg mit Putin

Die EU-Kommission von Ursula von der Leyen hält einen größeren Krieg in Europa nicht mehr für ausgeschlossen. Jetzt gibt es eine Aufrüstungsstrategie.
20.03.2025, 07:57

Die EU muss sich nach Einschätzung der Europäischen Kommission umgehend auf die reale Möglichkeit eines groß angelegten Krieges mit Russland vorbereiten. "Die Geschichte wird uns Untätigkeit nicht verzeihen", warnt die Behörde unter der Leitung von Ursula von der Leyen in einem neuen Strategiepapier zur Zukunft der europäischen Verteidigung. Sollte Russland seine Ziele in der Ukraine erreichen, werde das Land seine territorialen Ambitionen darüber hinaus ausdehnen. Als möglicher Zeitraum dafür wird das Jahr 2030 genannt.

Donald Trump führt zu Umdenken

Hintergrund der neuen Strategie sind insbesondere auch die Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump, nach denen die atomare Supermacht USA künftig nicht mehr bedingungslos als Garant für Frieden in Europa zur Verfügung stehen wird. "Die Sicherheitsarchitektur, auf die wir uns verlassen haben, kann nicht länger als selbstverständlich angesehen werden", erklärte von der Leyen zur Vorstellung des sogenannten Weißbuches. Man müsse jetzt die eigenen Fähigkeiten stärken und in Verteidigung investieren.

Sieben Schlüsselbereiche

Um Russland und andere aggressive Akteure wirkungsvoll abzuschrecken, ist es aus Sicht der EU-Kommission nun notwendig, so schnell wie möglich bestehende militärische Fähigkeitslücken in sieben Schlüsselbereichen zu schließen. Zu diesen gehören nach dem neuen Strategiepapier die Luftverteidigung und Raketenabwehr, aber auch Artilleriesysteme, Drohnen und militärische Transportkapazitäten. Nach Vorstellung der Kommission sollten die EU-Staaten beim Kauf eng kooperieren und mindestens 40 Prozent der benötigten Güter gemeinsam bestellen.

"Die gemeinsame Beschaffung ist das effizienteste Mittel zur Beschaffung großer Mengen von 'Verbrauchsgütern' wie Munition, Raketen und Drohnen. Aber die gemeinsame Beschaffung ist auch entscheidend für die Umsetzung komplexerer Projekte", heißt es in dem Weißbuch. Dies liege etwa daran, dass die Bündelung der Nachfrage die Kosten senke, klare Nachfragesignale an die Rüstungsindustrie sende und die reibungslose Zusammenarbeit von nationalen Streitkräften ermögliche.

800 Milliarden Euro sollen mobilisiert werden

Um Aufrüstung zu finanzieren, sind nach bereits vor zwei Wochen veröffentlichten Vorschlägen der Kommission unter anderem EU-Kredite in Höhe von 150 Milliarden Euro sowie Ausnahmen von den strengen EU-Schuldenregeln vorgesehen. So sollen in den kommenden vier Jahren insgesamt 800 Milliarden Euro mobilisiert werden. Die EU-Kommission will zudem Auflagen und Vorschriften für die Rüstungsindustrie lockern. Die Pläne sollen es auch ermöglichen, die von Russland angegriffene Ukraine künftig noch stärker militärisch zu unterstützen.

Befürchtet wird, dass die USA im Fall von Meinungsverschiedenheiten oder Konflikten auch an Nato-Partner gelieferte Waffensysteme aus der Ferne lahmlegen könnten. Besonders gilt dies für Hightech-Produkte wie Kampfjets des Typs Lockheed Martin F-35A Lightning II. Zugleich besteht aber auch die Sorge, dass sich die Vereinigten Staaten militärisch vollständig aus Europa zurückziehen könnten, wenn US-Rüstungsunternehmen künftig deutlicher weniger Aufträge aus der EU bekommen.

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