Deutliche Verschärfung geplant
Nach tödlichem Hundebiss – so streng wird neues Gesetz
Die Erschütterung war groß: Ein Hund hat im Herbst eine Joggerin (60) totgebissen. Die Politik reagiert jetzt mit einem strengen neuen Gesetz.
Anfang Oktober fiel die ansonsten so idyllische Mühlviertler Gemeinde Naarn (Bez. Perg) in die Schockstarre: Eine Läuferin war am Ortsrand auf einem Feldweg unterwegs, als sie plötzlich ein American Stafford attackierte. Er zerfleischte die Frau bis zur Unkenntlichkeit, für sie kam jede Hilfe zu spät. Der Hund wurde eingeschläfert, den Halterinnen alle übrigen Tiere abgenommen.
Nur wenige Wochen später dann in Eidenberg (Bez. Urfahr-Umgebung) die nächste brutale Attacke: Eine Schäferhündin fiel wieder eine Joggerin (55) an und verletzte sie schwer. Wie sich herausstellte, war das nicht der erste Zwischenfall mit dem Tier. Die Besitzerin musste es in einem Heim abgeben.
Die folgenschweren Hundebisse zogen heftige Diskussionen nach sich. Vielfach wurde ein Verbot des umstrittenen Schutzsports gefordert, Kritiker sehen darin eine Qual und kein Vergnügen für Vierbeiner. Der zuständige oberösterreichische Landesrat Michael Lindner (SPÖ) kündigte ein schärferes Hundehaltegesetz an.
Verstärkte Kontrolle
Jetzt macht der Politiker Nägel mit Köpfen und hat die Eckpunkte präsentiert. Im Fokus: eine verstärkte Kontrolle. So sollen beispielsweise die zu Corona-Zeiten eingeführten Online-Kurse, bei denen Besitzer im Umgang mit ihren Tieren geschult werden, wieder abgeschafft werden. Lindner will die Unterweisung durch Trainer und Ärzte nur mehr in Präsenz.
Halter größerer Hunde müssen außerdem einen Praxistest absolvieren: Wie verhält sich das Tier in stressigen Situationen, in Menschenmengen, gegenüber Joggern und Radfahrern? Lässt es sich berühren, ins Maul schauen? Alle Vierbeiner mit mehr als 40 Zentimeter Widerristhöhe (quasi die Schulterhöhe; Anm.) oder über 20 Kilo Gewicht müssen zur sogenannten Alltagstauglichkeitsprüfung.
"Mehr Schutz, mehr Klarheit und mehr Handhabe für Gemeinden", fasst der Landesrat die Kernpunkte des geplanten Gesetzes zusammen. Auffällige Hunde – also jene, den Test nicht bestehen oder aggressiv wurden und jemanden verletzt haben – müssen an öffentlichen Orten Leine und Maulkorb tragen. Bei Gefahr im Verzug sollen sie leichter als bisher abgenommen werden.
Frau getötet, andere schwer verletzt
Oberösterreich wurde im Herbst von den tragischen Hunde-Attacken erschüttert. Sie führten zu schwerwiegenden Konsequenzen. Eine davon ist die geplante Gesetzesverschärfung.
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"Guter und fundierter Vorschlag"
Acht Vertreter des Landes haben den "guten und fundierten Vorschlag", so Lindner, unter Einbindung externer Experten erarbeitet. Im zuständigen Unterausschuss werden heute, Mittwoch, allen im Landtag vertretenen Parteien die Inhalte zur Diskussion vorgelegt. Er setze auf Offenheit und Transparenz, erklärt der Politiker.
Eine Regierungsvorlage könnte im ersten Quartal 2024 finalisiert und relativ zeitnah beschlossen werden. Lindner will niemanden "aufgrund mancher schwarzen Schafe pauschal in ein schlechtes Licht rücken". Es sei aber sinnvoll, unterschiedliche Dinge unterschiedlich zu bewerten. "Niemand würde im Straßenverkehr eine Ungerechtigkeit darin sehen, dass Lkw-Fahrer mehr Ausbildung brauchen als Mopedlenker", sagt er.