Auch in anderen Organen

Löffelweise – so viel Plastik haben wir schon im Hirn

Bis zu 30-mal mehr Mikroplastik als in Leber oder Niere haben US-Forscher in Hirnproben gefunden. In Demenzhirnen war die Konzentration nochmal höher.
Heute Life
06.02.2025, 08:35

Winzige Kunststoffteilchen sammeln sich zunehmend stärker in Geweben des menschlichen Körpers an. Ein US-Forschungsteam hat in Leber und Gehirn verstorbener Menschen, die 2024 untersucht wurden, deutlich mehr Nano- und Mikroplastik gefunden als in Proben von 2016. Besonders hoch war die Belastung im Gehirn – bis zu 30-mal höher als in Leber oder Niere, berichtet die Gruppe um Matthew Campen von der University of New Mexico im Fachjournal "Nature Medicine".

Dein Gehirn besteht zu 99,5 % aus Hirngewebe – aber der Rest? Plastik. Das ist die beunruhigende Erkenntnis einer neuen Studie unter der Leitung von Matthew Campen von der University of New Mexico, der Mikroplastik in menschlichen Gehirnen in weit höherem Maße als in anderen Organen gefunden hat. Noch beunruhigender ist, dass sich diese winzigen Partikel rasch ansammeln und in den letzten acht Jahren um 50 % zugenommen haben: "Es gibt viel mehr Plastik in unseren Gehirnen, als ich mir je hätte vorstellen können", so Campen. Im Durchschnitt enthielten die untersuchten Gehirnproben etwa 7 Gramm Mikroplastik – etwa das Gewicht eines durchschnittlichen Plastiklöffels.

Mikroplastik und Nanoplastik 

Mikroplastik ist mit 0,001 bis 5 Millimeter teilweise noch mit freiem Auge sichtbar. In die Nahrungskette gelangt Mikroplastik etwa aus Verpackungsabfall. Dem Österreichischen Umweltbundesamt zufolge trägt Reifenabrieb am meisten zur Freisetzung von Mikroplastik in die Umwelt bei, gefolgt von Abfallentsorgung und Textilwäsche.

Es wurde bereits nachgewiesen, dass Mikroplastik von Meerestieren wie Fischen, Muscheln und Garnelen mit Plankton verwechselt und dieses als Nahrung aufgenommen wird. Durch den Verzehr von Meerestieren landet das Plastik im menschlichen Körper und wird ins Abwasser ausgeschieden. In Kläranlagen wird zwar das Abwasser von Mikroplastik befreit, allerdings gelangt es bei der Verwendung von Klärschlamm als Dünger in die Böden.

Alles was kleiner als 0,001 Millimeter ist, wird als Nanoplastik definiert und ist für das menschliche Auge unsichtbar.

10-mal mehr Plastik in Demenzhirnen als in gesunden

Erschwerend kommt hinzu, dass in der Studie in den Gehirnen von 12 Demenzkranken bis zu zehnmal mehr Mikroplastik gefunden wurde als in gesunden Gehirnen. Der Zusammenhang ist zwar eindeutig, doch die Forscher wiesen darauf hin, dass weitere Studien erforderlich sind, um einen direkten Zusammenhang herzustellen.

Das Forschungsteam analysierte 52 Gehirnproben – 28 von Autopsien aus dem Jahr 2016 und 24 aus dem Jahr 2024. Während Mikroplastik in jeder einzelnen Probe vorhanden war, waren die Konzentrationen in den neueren Proben deutlich höher. Weitere Gehirnproben, die bis ins Jahr 1997 zurückreichen, folgten demselben alarmierenden Muster, wobei in den neueren Proben höhere Mikroplastikwerte gefunden wurden. Der Anstieg spiegele den weltweiten Anstieg des Plastikmülls wider. Die weltweite Plastikproduktion hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt und beläuft sich jetzt auf etwa 400 Millionen Tonnen pro Jahr. Wissenschaftler haben bereits festgestellt, dass der Mensch jede Woche 5 Gramm Mikroplastik zu sich nimmt, was etwa dem Gewicht einer Kreditkarte entspricht. Mikroplastik wurde in verschiedenen Teilen des Körpers nachgewiesen, darunter in der Lunge, der Leber, den Nieren, der Plazenta, dem Blut, dem Sperma und sogar in der Muttermilch.

Polyethylen – das häufigste Mikroplastik

Das häufigste Mikroplastik, das die Forscher der Universität von New Mexico entdeckten, war Polyethylen, das häufig in Verpackungsmaterialien wie Flaschen und Bechern verwendet wird. Darüber hinaus waren viele dieser Partikel kleiner als bisher angenommen – einige sind nicht größer als Viren. Diese winzigen Fragmente seien klein genug sind, um die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, wiewohl der genaue Prozess, wie sie zum Gehirn transportiert werden, noch unklar ist. Campen vermutet, dass sie vor allem über unsere Nahrung in das Gehirn gelangen.

Körperliche Auswirkungen

Auch wenn die vollständigen gesundheitlichen Auswirkungen von Mikroplastik noch ungewiss sind, deuten Studien darauf hin, dass sie Zellen schädigen, Entzündungen auslösen, Organfunktionen stören und Immunreaktionen verändern können. Die Exposition gegenüber diesen winzigen Partikeln wurde auch mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall sowie für einige Krebsarten in Verbindung gebracht. Obwohl es fast unmöglich ist, Mikroplastik vollständig zu vermeiden, kann jeder für sich Maßnahmen ergreifen, um den Gebrauch von Plastik(-verpackungen) im täglichen Leben zu vermindern.

Umweltverschmutzung wird weiter zunehmen

Trotz eines weltweiten Vorstoßes zur Verringerung der Plastikproduktion warnen die Forscher, dass die Bedrohung durch Mikroplastik in absehbarer Zeit nicht verschwinden wird. Es dauert Jahrzehnte, bis Plastik in mikroskopisch kleine Partikel zerfällt, was bedeutet, dass die Umweltverschmutzung in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 06.02.2025, 09:35, 06.02.2025, 08:35
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