Die Grippe und grippale Infekte kursieren weiter. Ein fittes Immunsystem hilft dem Körper, Erreger besser abzuwehren bzw. Infekte schneller zu bekämpfen. Gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung an der frischen Luft stärken die Abwehrkräfte. Man kann sie aber auch noch auf andere Weise trainieren: aus der Ferne via Video. Das haben die beiden Biologinnen, Esther Diekhof und Judith Keller, von der Universität Hamburg herausgefunden.
Für ihre Untersuchung wurden 62 Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von knapp 25 Jahren rekrutiert. Allen wurden Videos gezeigt, in denen Menschen mit oder ohne ansteckende Krankheitsanzeichen zu sehen waren. Währenddessen wurde die Gehirnaktivität der Teilnehmer mithilfe funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) gemessen. Darüber hinaus untersuchten die Forscherinnen auch erste Abwehrreaktionen des Immunsystems. Dafür maßen sie die Freisetzung von sekretorischem Immunglobulin A (sIgA) im Speichel. Das ist der wichtigste Antikörper zur Bekämpfung von Krankheitserregern auf den Schleimhäuten der Atemwege.
Während die Versuchspersonen Videos mit potenziell ansteckenden Menschen sahen, konnte eine vermehrte Freisetzung dieser Antikörper beobachtet werden. Eine Art Vorsorgemaßnahme des Körpers, die durch das sogenannte Verhaltensimmunsystem ins Rollen gebracht wird. Es hilft zum Beispiel, Gerüche oder sichtbare Hinweise in der Umgebung auf Krankheitserreger zu erkennen und löst damit Vermeidungsverhalten sowie Gefühle wie Abneigung oder Ekel aus.
"Die Wahrnehmung von niesenden und kranken Personen im Vergleich zu nicht ansteckenden Personen aktivierte die vordere Insula, eine Gehirnregion, welche unter anderem an der Wahrnehmung physiologischer Reaktionen des eigenen Körpers beteiligt ist und welche eine wichtige Schnittstelle zwischen Gehirn und Immunsystem darstellt. Außerdem zeigten die Testpersonen eine erhöhte Freisetzung von sIgA", sagt Studienleiterin Esther Diekhof.
"Im Gegensatz dazu zeigte die Amygdala – eine Gehirnregion, die an emotionalen Reaktionen wie Furcht und Angst beteiligt ist – eine erhöhte Aktivierung bei allen Videos, in denen Menschen zu sehen waren. Dies deutet auf eine unspezifische Wachsamkeit gegenüber der Anwesenheit von Menschen hin." ergänzt Judith Keller, ebenfalls Autorin der Studie.
"Die Reaktionen sind lediglich akut und kurz", so die Wissenschaftlerin. "Wenn man nun täglich Videos von kranken Personen anschaut, ohne tatsächlich in Kontakt mit Erregern zu kommen, könnte es passieren, dass diese Reaktion verloren geht."