Nächste Justizpanne
Häftling (32) flüchtet in Socken und verletzt Pfleger
Ein 32-jähriger Häftling lief im Spital St. Pölten davon, eine Beamtin stellte ihn erst mit gezogener Waffe. Er kam nach Mauer, wo er grob wurde.
Justizpanne Nummer 5: Nach vier spektakulären Fluchten in Niederösterreich (3 Fälle) und Wien (1 Fall) wurde jetzt der nächste Vorfall rund um einen 32-jährigen Häftling, der aus dem Krankenhaus St. Pölten und dann auch aus dem Klinikum Mauer (Amstetten) hatte flüchten wollen, bekannt.
Am Klo selbst verletzt
Am 26. September hatte sich der Insasse am Klo der Zelle in der Justizanstalt St. Pölten selbst verletzt. Insassen schlugen über die Sprechanlage Alarm, der 32-Jährige wurde von Beamten blutverschmiert auf der Toilette gefunden und ins Spital St. Pölten gebracht.
Nur trotz Verletzung am Oberschenkel riskierte der bewachte Häftling am Abend des 1. Oktober einen spektakulären Fluchtversuch: Er ging aufs Klo des Krankenzimmers, schlug dann die WC-Türe weit auf, versperrte somit der Beamtin kurz den Weg und rannte in Socken davon. Der zweite Beamte lag ruhend im Bett, rappelte sich auf und nahm ebenfalls die Verfolgung auf.
Krankenschwestern alarmierten umgehend die Exekutive. In Spitalsnähe konnte der Häftling schließlich mit gezogener Waffe und erst nach Androhung eines Schusswaffengebrauches gestellt werden: Der 32-Jährige wurde aufgefordert, sich auf den Boden zu legen, bekam Handfesseln angelegt. Der Oberarzt verweigerte, den Häftling weiter zu betreuen, also wurde der Strafgefangene zurück in die Justizanstalt St. Pölten gebracht.
2. Flucht mit verletztem Pfleger
Der als gefährlich eingestufte Häftling kam schließlich ins Klinikum Mauer, wo der gelernte Schlosser einen Pfleger gewaltsam die Chipkarte entriss und dabei die Pflegekraft verletzte. Nach der Schleuse konnte der 32-Jährige indes von mehreren Pflegern überwältigt werden.
Nach dem zweiten Ausbruchsversuch kam der Risikohäftling schließlich in die Justizanstalt Göllersdorf (Hollabrunn). Aufgrund mutmaßlicher Gefährlichkeit war der Insasse nach § 431 StPO vorläufig untergebracht worden. Der 32-Jährige war in der Nacht auf den 1. August wegen des Verdachtes der schweren Sachbeschädigung und Brandstiftung im Bezirk St. Pölten-Land festgenommen worden.
Fahndung nach Hochrisiko-Häftling in Krems - die Bilder
Die beiden Vorfälle reihen sich nahtlos in die Pannenserie der Justiz ein: Eine Betrügerin (36) war Anfang November unbewacht aus dem Spital Wr. Neustadt geflohen, dann lief ein 16-jähriger Afghane bei einer Spitalsvorführung in Handschellen in Wr. Neustadt davon. Der Afghane verhöhnte dann mit Joint-Fotos den Staatsapparat.
Einen Tag später floh ein Hochrisiko-Insasse (35) aus Stein (mit "kaputtem" Knie, Anm.) bei einer MRT-Untersuchung aus dem Kremser Spital. Der tschetschenische Käfig-Kämpfer mit islamistischen Tendenzen hatte noch elf Jahre Reststrafdauer.
Und wenig später die nächste Flucht, diesmal aus dem Wiener AKH: Einem 28-jährigen, gefährlichen Straftäter gelang ebenfalls bei einer Spitalsvorführung die Flucht. Der 28-jährige Häftling mit gebrochenem Finger war von zwei Beamten begleitet worden.
Häftlinge flüchten serienweise
4 Häftlinge flüchteten im November, bereits davor war ein lädierter Häftling aus dem St. Pöltner Krankenhaus geflohen.
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Nicht sehr beruhigend: Bis auf den tschetschenischen Cage-Fighter konnte alle Insassen wieder eingefangen werden. Der 35-Jährige ist nach wie vor verschwunden.