Felsstürze im Kaunertal

Van der Bellens Heimat droht "ökologische Katastrophe"

Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist im Tiroler Kaunertal aufgewachsen und hat dort einen Wohnsitz – doch um das Tal tobt ein Umweltstreit.
Bernd Watzka
31.03.2025, 17:04

"Fahrlässig und verantwortungslos" – so bewertet der WWF die Einreichung einer UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung) des geplanten Kraftwerkprojekts Kaunertal. Die Umweltschützer fordern daher erneut den Stopp des "sündteuren Prestigeprojekts" und stattdessen "sichere Alternativen für eine naturverträgliche Energiewende".

Ausbau mit "großen Sicherheitsrisiken"

"Das Kaunertal-Ausbauprojekt ist eine ökologische Katastrophe und enthält potenziell große Sicherheitsrisiken", sagt WWF-Experte Maximilian Frey. Es könne "niemals umweltverträglich gestaltet" werden.

Dass der Tiroler Energiekonzern Tiwag es "trotz aller Bedenken durchboxen" wolle, sei "höchst unverantwortlich" und zeige, dass die Tiwag die "rasanten Veränderungen im Hochgebirge" nicht ernst nehme, sagt WWF-Experte Maximilian Frey.

"Einzigartiges" Platzertal müsste geflutet werden

Für das Konzernprojekt müsste insbesondere das "einzigartige" Platzertal geflutet werden. "Damit würden wertvolle Moorflächen zerstört, obwohl sie zu den besten Verbündeten gegen die Klimakrise zählen und eine Schatzkammer der Artenvielfalt sind", warnt Frey.

Van der Bellen schweigt zu dem Streit

Von Alexander Van der Bellen, einst Umweltschützer bei den Grünen, bekam "Heute"  trotz Anfrage in der Präsidentschaftskanzlei kein Statement zu dem Umweltstreit. "Da der Bundespräsident auch vor Ort lebt, halten wir es so, dass er alle Themen des Tals immer im Kaunertal selbst bespricht, nie über Medien. Das bleibt natürlich auch jetzt so", heißt es von Pressesprecher Stephan Götz-Bruha.

Gefahren bisher nicht berücksichtigt

Das Projekt des Konzerns war bereits drei Mal an der Vollständigkeitsprüfung gescheitert. Erst Anfang März des Jahres musste die Tiwag eingestehen, dass Gefahren durch neu entstehende Gletscherseen bisher bei der Planung nicht berücksichtigt wurden.

"Erhöhtes Risiko" von Felsstürzen

Ein Gutachten des Schweizer Geomorphologen Wilfried Haeberli zeigte, welche Naturgefahren im Kaunertal drohen – unter anderem ein erhöhtes Risiko von Felsstürzen. "Die Klimakrise erhöht das Risiko für Naturgefahren, während der weitere Ausbau im Kühtai als Alternative weniger gefährlich und naturzerstörerisch wäre – bei gleicher Pumpspeicherleistung", sagt Frey.

{title && {title} } bw, {title && {title} } Akt. 31.03.2025, 17:12, 31.03.2025, 17:04
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