Geheimer Kriegsplan geleakt

Trumps Signal-Skandal – alles begann in Österreich

Am Dienstag veröffentlichte der "Atlantic" alle Infos aus dem Gruppenchat. Der Schritt erfolgt, nachdem die Trump-Regierung das Leak herunterspielte.
Newsdesk Heute
26.03.2025, 18:19

Die US-Regierung hat wohl aus Versehen einen Journalisten in streng geheime Kriegspläne eingeweiht. "The Atlantic"-Chefredakteur Jeffrey Goldberg wurde von Mike Waltz, dem nationalen Sicherheitsberater des US-Präsidenten, einer Gruppe mit hochrangigen Regierungsvertretern auf der kommerziellen Messenger-App "Signal" hinzugefügt.

Darin wurden detaillierte Informationen zum bevorstehenden Militärschlag gegen die Huthi-Miliz geteilt, die Ermordung mutmaßlicher Terroristen samt ziviler "Kollateralschäden" mit Faust- und US-Flaggen-Emojis gefeiert. Etwas mehr als eine Woche nach dem erfolgten Angriff vom 15. März machte Goldberg den Skandal öffentlich. Sein Bericht schlug ein wie eine Bombe – "Heute" berichtete umfassend.

Alles begann im schönen Salzburg

Der Signal-Skandal hat inzwischen sogar eine Österreich-Dimension bekommen – hat sogar in unserer schönen Alpenrepublik seinen Ausgang genommen. "Atlantic"-Chefredakteur Goldberg weilte gerade in Salzburg als auf seinem Handy plötzlich die Einladung zur Chat-Gruppe auftauchte.

"Ganz zufällig war ich in Salzburg, Österreich. Sechzigstes Jubiläum von "Sound of Music" ist alles, was ich dazu sage", schilderte er die Situation am Dienstag im "Bulwark Podcast".

Die Chat-Einladung an sich habe er nicht als völlig abwegig empfunden: "Er ist der nationale Sicherheitsberater, ich bin der Chefredakteur eines Magazins, das über nationale Sicherheit schreibt. Ich habe [Mike Waltz] vorher vielleicht zwei Mal getroffen. Das ist schon ein paar Jahre her".

Er habe also akzeptiert. Als er dann Zeuge des Unterhaltung all dieser vermeintlich hochrangigen Köpfe wurde, glaubte er erst an ein Fake oder einen gezielten Reinleger. Am 15. März änderte sich mit der Ankündigung des Angriffs in der Gruppe alles. "Dann fielen die Bomben" – der Chat war echt! Der Rest ist Geschichte.

Weißes Haus schlägt um sich: "Lüge"

Das Weiße Haus fährt seither eine Schmutzkampagne gegen den renommierten Journalisten, bezeichnete ihn als "sensationsgeil". Gleichzeitig wird die Brisanz der Sicherheitspanne heruntergespielt: US-Präsident Donald Trump tat den Vorfall als "Ausrutscher" ab, der "nicht schwerwiegend".

Der tatsächlich echte Mike Waltz hat inzwischen zugegeben, hinter dieser kompromittierenden Gruppe zu stecken. "Ich habe diese Gruppe gegründet", bestätigte er gegenüber "Fox News". Er übernehme "die volle Verantwortung". Andere Mitglieder wie die Geheimdienste-Direktorin Tulsi Gabbard oder Verteidigungsminister Pete Hegseth bezichtigten Goldberg der "Lüge" und behaupteten, dass "keine geheimen Informationen" im Chat geteilt wurden.

Am Mittwoch hat "The Atlantic" deshalb nachgelegt und das gesamte Chat-Protokoll veröffentlicht. Zuvor hatte Goldberg Teile aus persönlichen Bedenken über die nationale Sicherheit nur grob umrissen, Details aber geheim gehalten: "Ich mache das jetzt seit über 30 Jahren. Ich weiß, was sensible Informationen sind", begründete er das im Podcast-Interview.

Komplettes Chat-Protokoll veröffentlicht

Jetzt sind diese Bedenken vom Tisch! Wenn höchste Sicherheitskreise öffentlich behaupten, dass es durch den Leak keine Gefahr gedroht habe und sowieso alle enthaltenen Informationen "nicht geheim" seien, könne er auch ALLES der Öffentlichkeit zeigen, argumentiert Goldberg.

"Die Statements von Pete Hegseth, Tulsi Gabbard, [CIA-Direktor] John Ratcliffe und Donald Trump – zusammen mit zahlreichen Bemerkungen anderer Regierungsmitglieder darüber, wir würden über den Inhalt der Signal-Gruppe lügen – haben uns zu dem Entschluss gebracht, dass die Leute die Texte sehen sollen, um sich ihre eigene Meinung bilden zu können".

Einzig der Name eines CIA-Agenten wurde unkenntlich gemacht, da es sich um einen Agenten im aktiven Dienst handle, so der "Atlantic" am Mittwoch. Ansonsten sei der gesamte Chatverlauf ungeschwärzt.

"Der Terrorist ist am bekannten Ort"

Davon erscheinen vor allem die Nachrichten vor und nach dem ersten Schlag als brisant. Pete Hegseth schrieb wenige Stunden vor dem Abwurf der Bomben:

"TIME NOW (1144et): Weather is FAVORABLE. Just CONFIRMED w/CENTCOM we are a GO for mission launch."

Auf Deutsch: "Jetzige Zeit: 11.44 Uhr Ostküstenzeit: Wetter ist GÜNSTIG. Habe gerade mit Centcom (die Kommandozentrale der USA im Mittleren Osten) bestätigt, dass die Mission durchgeführt werden kann."

Nach der Chat-Enthüllung wurden Tulsi Gabbard und Co. im Repräsentantenhaus gegrillt – Konsequenzen drohen ihnen aber keine
KAYLA BARTKOWSKI / AFP Getty / picturedesk.com

Später schrieb Hegseth: "1215et: F-18s LAUNCH (1st strike package)"

"1345: 'Trigger Based' F-18 1st Strike Window Starts (Target Terrorist is @ his Known Location so SHOULD BE ON TIME) – also, Strike Drones Launch (MQ-9s)"

Auf Deutsch: 12.15 Uhr: die F-18-Jets starten. (Das erste Angriffs-Paket). 13.45 Uhr: Das erste Zeitfenster für die programmierten F-18 beginnt. Der Terrorist, auf den der Schlag abzielt, ist am bekannten Ort. Wir sollten also rechtzeitig sein. Zudem haben wir Drohnen (MQ-9) gestartet.

Operation durch Leak gefährdet

Goldberg hebt hervor, dass diese Texte den geplanten Überraschungsangriff gefährden hätten können, wenn sie in die falschen Hände geraten wären. Die Huthis hätten Zeit gehabt, sich vorzubereiten, und die Folgen für die Piloten der Kampfjets hätten tödlich sein können, betont er.

Absurdes Sahnehäubchen: Einer der Gruppen-Teilnehmer, US-Sondergesandten Steve Witkoff, befand sich mit seinem Smartphone samt Signal zur fraglichen Zeit gerade in Moskau, möglicherweise sogar direkt im Kreml. Russland ist ein Verbündeter des Iran, der wiederum die Huthi finanzieren soll.

Russland hat wiederholt versucht, Signal zu kompromittieren. Die Messaging-App bietet Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, was bedeutet, dass Nachrichten nur von den Absendern und Empfängern gelesen werden können. Diese Verschlüsselung ist jedoch nicht undurchdringlich, berichtet CBS News.

Googles Threat Intelligence Group warnte erst letzten Monat vor "zunehmenden Bemühungen mehrerer russischer, staatlich unterstützter Akteure, Signal-Konten von Personen zu kompromittieren, die für den russischen Geheimdienst von Interesse sind."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 26.03.2025, 20:47, 26.03.2025, 18:19
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