High Noon bei den Medienverhandlern am Freitag! Bereits im Wahlkampf kündigte die FPÖ massive Veränderungen und Sparprogramme beim ORF an. In den Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP wird seit vergangener Woche beinhart über die Zukunft des ORF debattiert. Konkret wird über die Haushaltsabgabe diskutiert, die seitens der Freiheitlichen gerne abgeschafft werden soll. Zudem soll für den Öffentlich-Rechtlichen ein radikaler Sparplan ausverhandelt werden.
Seitens des ORF warnt man bereits. Stiftungsrat-Chef Lothar Lockl appelliert an die blau-schwarzen Verhandler, sprach von massiven Kürzungen im Sportangebot oder den Landesstudios. Der Redakteursrat sprach sogar von einer "Zerstörung des ORF". Die Freiheitlichen hingegen fordern laut eigenen Aussagen radikale Kürzungen bei den Gehältern der ORF-Führung.
In einem Statement auf Facebook äußert sich nun FPÖ-Chef Herbert Kickl zu den Sorgen der ORF-Spitze. "Die Top-Gehälter der ORF-Führung müssen jedenfalls weiterbezahlt werden; dafür wird aus dem Programm dasjenige Öffentlich-Rechtliche gestrichen, was noch Zuschauer hat", schießt Kickl ironisch in Richtung Lockl-Argumentation.
Er selbst hat Anderes vor. Aus Sicht des blauen Parteiobmanns seien jedoch Sparmaßnahmen bei den "Großkassierern" und "Privilegien" geplant. "Dafür soll öffentlich-rechtlicher Inhalt erhalten werden statt eines Angebots, das mit der Erfüllung dieses Auftrags gar nichts zu tun hat", stellt Kickl weiter klar.
Wie "Heute" aus Verhandlerkreisen erfuhr, peilt die FPÖ vielmehr eine Strukturreform an. Durch das Aufbrechen verkrusteter Strukturen könnten laut internen Berechnungen zwischen 100 und 140 Millionen jährlich eingespart werden – "ohne, dass es für das Publikum einen Qualitätsverlust gibt", wird betont.
Auch das Aus der ORF-Haushaltsabgabe – ein zentrales Wahlversprechen Kickls – würde die Verwaltung entlasten. Das GIS-Eintreiben war mit 7 Millionen Euro jährlich budgetiert, der Nachfolger OBS (ORF-Beitragsservice) soll 2025 hochgerechnet mit rund 23 Millionen Euro im Jahr zu Buche schlagen, ärgern sich Küniglberg-Insider im "Heute"-Gespräch.
Immer mehr Menschen mit Einblick stößt – wie auch Herbert Kickl in seinem aktuellen Statement andeutet – die Gehaltsstruktur sauer auf. So verdient etwa "Licht ins Dunkel"-Manager Pius Strobl (425.700 Euro Jahresgage) mehr als der Generaldirektor.
"In der Öffentlichkeit hat man aber einzig Robert Kratky hinausgehängt. Das ist doppelt skurril: Einerseits ist er nicht einmal angestellt – das heißt, dass der ORF für ihn nicht auch noch Zigtausende Euro Lohnnebenkosten bezahlen muss. Andererseits hat er auf wenige Jahre begrenzt einen seinen Leistungen entsprechend dotierten Vertrag. Immerhin benötigt Ö3, dessen Aushängeschild er ist, kein öffentliches Geld, sondern erwirtschaftet selbst sogar Gewinn", ärgert sich ein Verhandler.
Zynischer Nachsatz: "Witzigerweise wird ein Moderator, der in der Mitte der Gesellschaft steht, öffentlich ans Kreuz genagelt. Nicht thematisiert wird aber, wer tatsächlich – ohne vorheriges Hearing – vierter stellvertretender Chefredakteur des ORF ist. Und das rein aus Gagen-Gründen. Wir werden das hinterfragen ..." Die drei Chefredakteure Johannes Bruckenberger, Gabriele Waldner-Pammesberger und Sebastian Prokop hätten nämlich bereits je einen Vize.