Die Kosten für die Karossen unserer Spitzenpolitiker sind nun ein Fall für das Parlament. Während das Pendlerpauschale im Sommer gekürzt wurde und Tanken ab Jänner durch die Erhöhung der CO2-Steuer nochmals teurer wird, sprudeln die Rechnungen der Regierung an den Zapfsäulen – und nicht nur dort.
"Heute" wühlte sich durch 17 Anfrage-Beantwortungen, die Parlamentspräsident Wolfgang Sobotka nun ins Postfach flatterten. Ins Auge sticht: Der Fuhrpark der Regierung wird immer teurer, zurückgegriffen wird durchwegs auf Luxus-Modelle von Audi und BMW. Umweltministerin Leonore Gewessler verzichtet als einzige Ministerin auf ein Dienstauto, VP-Innenminister Gerhard Karner fährt den letzten verbliebenen Verbrenner, Vizekanzler Werner Kogler, Sozialminister Johannes Rauch und Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer (alle Grüne) lassen sich in Elektroautos chauffieren – der türkis-grüne Rest ist in Hybrid-Fahrzeugen unterwegs.
Genau dieser Umstand – von den Grünen ins Regierungsprogramm gehievt – macht die monatlichen Leasingraten für die Steuerzahler nun massiv teurer. Während etwa für den Diesel-A8 von Innenminister Gerhard Karner eine monatliche Rate von 813 Euro fällig wird, verschlingt die Hybrid-Karosse von Justizministerin Alma Zadić jeden Monat 1.600 Euro Leasing-Gebühr, da ihr Ressort aufgrund von Pandemie- und Kriegsfolgen nun schlechtere Konditionen in Kauf nehmen musste. Motorisiert war Zadić aber ohnedies recht wenig Land unterwegs – sie legte nur 6.607 Kilometer auf der Straße zurück.
Das andere Extrem ist Claudia Plakolm (Anmerkung: Sie wurde von Kanzler Nehammer mit dem Jugend-Staatssekretariat betraut und besichtigte im Frühsommer auf Steuerzahlerkosten ein Beet in New York). Interessanterweise lässt sich Plakolm häufiger durchs Land führen als der Kanzler; legte in nur sechs Monaten 47.511 Kilometer in einem bequemen Audi zurück. Der Bund schaffte für Plakolm sogar die extra-lange Version der A8-Limousine an. Monatlich vertankt sie über 1.500 Euro.
Viel-Fahrer sind zudem Gerhard Karner (43.262 Kilometer), Bildungsminister Martin Polaschek (36.147 Kilometer), Digital-Staatssekretär Florian Tursky (35.785 Kilometer) und Johannes Rauch (35.049 Kilometer). Tursky und Rauch stammen beide aus dem Westen Österreichs und müssen bei Heimatbesuchen weite Strecken zurücklegen. Sämtliche 17 Minister oder Staatssekretäre, die ein Auto haben, dürfen es auch privat nützen. Dafür bezahlen sie an den Bund eine Pauschale von monatlich 691 Euro. Rauch gab zudem 65 Euro für das TV-Gerät in seinem e-tron aus.
Wie hoch die Tankrechnung von Heeres-Ministerin Klaudia Tanner (VP) ausfiel, ging aus der Anfragebeantwortung nicht hervor. Sie verbrauchte 2.477 Liter Treibstoff, ihr Ressort will die konkreten Kosten am Montag nachreichen, "Heute" ergänzt die Info bei Vorliegen. Unklar ist auch, wie viel Medienministerin Susanne Raab unterwegs war. Sie wechselte im Mai das Gefährt, legte seither 9.022 Kilometer in einem A8 zurück.