Über 160 Maßnahmen geplant

Abfallvermeidung – Wien setzt auf Kreislaufwirtschaft

Mit über 160 Maßnahmen treibt Wien Abfallvermeidung und Recycling voran. 2025 soll zum "Jahr der Kreislaufwirtschaft" werden.
Jana Stanek
20.02.2025, 18:26

Österreichs Hauptstadt möchte neue Maßstäbe in der Abfallwirtschaft setzen: Mit dem aktualisierten Wiener Abfallwirtschaftsplan und Abfallvermeidungsprogramm verfolgt die Stadt Wien das Ziel, zur ersten Großstadt mit null Verschwendung zu werden. 2025 wird dabei zum "Jahr der Kreislaufwirtschaft" erklärt, um nachhaltige Maßnahmen weiter voranzutreiben.

160 Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit

Der Wiener Abfallwirtschaftsplan, der alle sechs Jahre aktualisiert wird, umfasst über 160 Maßnahmen, um Abfallvermeidung, Wertstoffgewinnung und Klimaschutz zu fördern. Wichtige Schwerpunkte sind der Ausbau der Biogasanlage, die Rückgewinnung von Wertstoffen aus Restmüll und Klärschlamm sowie die verstärkte Nutzung von Recycling-Baustoffen. Zudem wird die Reparatur- und Wiederverwendungsinitiative der Stadt weiter ausgebaut. "Wir wollen die Vision einer Stadt ohne Verschwendung verwirklichen. Reparieren, Wiederverwenden und Recycling sollen selbstverständlich werden", betont Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ).

„Die Frage eines kreislauffähigen, ressourcenschonenden Lebens ist eine unserer zentralen Zukunftsfragen. Die Wiener Wohnqualität der kommenden Generationen wird auch daran gemessen werden. Als lebenswerteste Stadt haben wir unsere Messlatte bewusst sehr hoch gelegt", fügte Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál (SPÖ) hinzu.

Restmüllmenge stabil geblieben

Besonders positiv fällt auf: Trotz eines Bevölkerungsanstiegs um 350.000 Menschen seit 2005 konnte die Restmüllmenge stabil gehalten werden. Pro Kopf fiel 2024 rund 15 Prozent weniger Restmüll an als noch vor 20 Jahren. Wien belegt im europäischen Vergleich Platz drei in der getrennten Müllsammlung, hinter Tallinn und Luxemburg. Die Strategie der Stadt bleibt: Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht. Deshalb setzt Wien auf Initiativen wie "Verleihen statt Besitzen", die Verlängerung der Lebensdauer von Produkten durch Reparatur sowie den Einsatz von Mehrwegprodukten.

Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál stellen neue Pläne für die Abfallvermeidung vor.
Denise Auer

Neue Wege für Wertstoffgewinnung

Neben der Vermeidung wird auch die bestmögliche Verwertung von Abfällen forciert. Besonders im Fokus steht Klärschlamm, der wertvollen Phosphor enthält, ein essenzieller Rohstoff für die Landwirtschaft. Wien startet noch 2024 mit der Verwertung von 2.000 Tonnen Klärschlammasche durch externe Partner. Langfristig soll eine eigene Rückgewinnungsanlage in Wien errichtet werden.

Zudem wird die Kapazität der Wiener Biogasanlage verdoppelt, um noch mehr vergärbare Abfälle in Energie umzuwandeln. Auch Verbrennungsrückstände aus der Müllverwertung sollen stärker genutzt werden – etwa für den Einsatz in Recycling-Baustoffen.

Wien als Vorreiter bei nachhaltigem Bauen

Ein weiterer zentraler Bereich ist die Bauwirtschaft. Mit dem neuen "Orientierungsleitfaden ZiFa 1.0" wurden erstmals klare Kriterien für kreislauffähiges Bauen definiert. Pilotprojekte wie der Neubau einer Mitarbeiterunterkunft aus Recyclingbeton zeigen das Potenzial auf.

Besonders im Stadtquartier Nordwestbahnhof soll nachhaltiges Bauen erstmals konsequent umgesetzt werden. Bereits in der Planung werden Materialien berücksichtigt, die später weiterverwendet oder recycelt werden können.

2025: Jahr der Kreislaufwirtschaft

Die Wiener Stadtregierung will die Kreislaufwirtschaft in den kommenden Monaten weiter ausbauen. Bis 2025 wird eine umfassende Strategie erarbeitet, die alle relevanten Bereiche – von Gebäuden über den öffentlichen Raum bis zur Abfallwirtschaft – einbezieht.

"Unser Ziel ist es, Wien zur ersten Großstadt mit null Verschwendung zu machen", so Czernohorszky. "Die Kreislaufwirtschaft ist ein essenzieller Bestandteil unserer Klimastrategie und ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigen Zukunft."

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