Politik

Steirischer Alt-Landeshauptmann Josef Krainer ist tot

Heute Redaktion
14.09.2021, 01:10

Er trat in die großen Fußstapfen seines Vaters und Landeshauptmannes Josef Krainer senior und wurde selbst zur steirischen Polit-Legende. Der "junge Josef Krainer" ist am Freitag im 87. Lebensjahr in Graz gestorben. Er war einer jener, die der "steirischen Eiche" Arnold Schwarzenegger den Weg nach Hollywood geebnet haben.

Er trat in die großen Fußstapfen seines Vaters und Landeshauptmannes Josef Krainer senior und wurde selbst zur steirischen Polit-Legende. Der "junge Josef Krainer" ist am Freitag im 87. Lebensjahr in Graz gestorben. Er war einer jener, die der "steirischen Eiche" Arnold Schwarzenegger den Weg nach Hollywood geebnet haben.

Schon lange war die Gesundheit des 86-Jährigen angeschlagen. Erst vor wenigen Wochen hatte ihm sein Freund Arnold Schwarzenegger bei seiner Graz-Visite anlässlich der Verabschiedung des ebenfalls 2016 verstorbenen Ex-ÖVP-Bundesrates Alfred Gerstl einen Besuch abgestattet.

Die Steiermark trauert um eine der bedeutendsten Persönlichkeiten, die das Land hervorgebracht hat, denn der Name Josef Krainer ist untrennbar mit der Steiermark und ihrer Entwicklung der letzten Jahrzehnte verbunden.

Kurz vor Weihnachten hatte sich der gesundheitliche Zustand von Josef Krainer verschlechtert, die letzten Tage verbrachte er auf der Intensivstation im Krankenhaus. Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer bestätigte den Tod des ÖVP-Urgesteins in einer Aussendung am Freitag, in der er dessen Lebenswerk würdigte: "Die Steiermark trauert um eine der bedeutendsten Persönlichkeiten, die das Land hervorgebracht hat, denn der Name Josef Krainer ist untrennbar mit der Steiermark verbunden."
Seite 2: Josef Krainers Kampf gegen Wien!

Weg über Bauernbund

Anders als sein Vater, der mit urwüchsiger Kraft den Weg vom Holzknecht zum Landesvater geschafft hatte, konnte der "junge Krainer" auf seinem Karriereweg auf eine hochkarätige Ausbildung zurückgreifen. Er studierte in Graz Rechtswissenschaften und erwarb sich damit den akademischen Doktortitel. Von 1956 bis 1962 war er Generalsekretär der Katholischen Aktion, er trat dann dem Bauernbund bei, dessen Direktor er 1969 wurde.

Volksnah und weltgewandt

Nach zwei Jahren als Abgeordneter im Nationalrat wurde Krainer geschäftsführender Landesparteiobmann in der Steiermark. Nachdem sein Vater 1971 im Amt starb, folgte diesem Franz Niederl Landeshauptmann und Krainer wechselte als Landesrat in die Steiermark. Der volksnahe Niederl und der weltgewandte Krainer spannten die Volkspartei zur vollen "steirischen Breite" auf.

Aufstieg zum Landeshauptmann 1980

1980 trat er das Amt des Landeshauptmannes an, das er bis 1996 ausübte. 1980 und 1986 konnte Krainer die absolute Mehrheit im Land für die ÖVP halten, 1991 ging die "Absolute" verloren, 1996 kam die SPÖ unter Peter Schachner-Blazizek der Volkspartei schon gefährlich nahe. Krainers ÖVP verlor acht Prozentpunkte, konnte nur noch knapp den ersten Platz im Land halten. Der langjährige Landeschef verkündete noch am Wahlabend seinen Rücktritt und übergab an Waltraud Klasnic, die erste Landeshauptfrau in der österreichischen Geschichte.

Wir gegen Wien

Krainer positionierte die steirische Volkspartei selbstbewusst und durchaus kantig gegen die Bundespartei, gegen die Bundesregierungen, er öffnete aber seine Partei und das Bundesland für eine Welt mit breitem Horizont und dem steten Blick über den Tellerrand hinaus. In Österreich, so benannte er damals die Aufgabe, "haben wir anzukämpfen gegen kleinkarierte Enge, Selbstgenügsamkeit, Nabelschau, Selbstzerfleischung, Kleinmut, Opportunismus und Xenophobie".

In seine Amtszeit fällt der Niedergang der "Verstaatlichten", dem er auf Länderebene wirtschaftspolitisch zunächst nur schwer etwas entgegensetzen kann. Tausende Arbeitsplätze wurden in der Steiermark vernichtet. Den emotionalsten, aber letztlich erfolglosen Aufstand gegen Wien probte Krainer, als die Bundesregierung die 24 Abfangjäger allesamt in der Steiermark stationieren wollte. Doch trotz Anti-Draken-Volksbegehrens und Misstrauensantrag gegen den Verteidigungsminister aus der eigenen Partei, Robert Lichal, landeten die Abfangjäger 1988 schließlich doch in der Steiermark.

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