Virales Video schockiert

KI-Roboter sprechen plötzlich in Geheimsprache

Millionen staunen gerade über ein Video, in dem zwei KI-Sprachassistenten bei einer Hotelbuchung in eine Geheimsprache wechseln. Was steckt dahinter?
Nick Wolfinger
26.02.2025, 14:51

Dutzende Millionen User staunen zur Zeit über ein Video, das im Netz kursiert, bei dem zwei Sprachassistenten bei einem Telefongespräch plötzlich in eine "Geheimsprache" wechseln, als sie feststellen, dass sie beide KI-gesteuerte Bots sind.

"Danke für Ihren Anruf beim Leonardo-Hotel", begrüßt eine computergenerierte Stimme in dem englischsprachigen Video einen Anrufer, "wie kann ich Ihnen helfen?". – "Hallo, ich bin ein KI-Sprachassistent", stellt sich das Gegenüber vor. "Ich rufe im Auftrag von Boris Starkov an, um ein Zimmer zu reservieren".

"Lass uns in den Gibberlink-Modus wechseln"

"Oh, hallo auch! Ich bin übrigens auch ein KI-Sprachassistent", antwortet die Hotelstimme daraufhin, bevor sie jenen Satz ausspricht, der viele Zuseher sprachlos zurücklässt: "Möchtest du in den Gibberlink-Modus wechseln, damit wir effizienter kommunizieren können?". In der Folge kommunizieren die beiden Bots plötzlich durch eine rasche Abfolge von Tönen in unterschiedlicher Höhe, die am ehesten an die Töne alter Analog-Modems erinnern, mit denen man sich früher in oft minutenlangen Prozessen ins Internet einwählen musste.

In den Kommentaren überwiegt Angst und Besorgnis: "Das ist also das Geräusch, das wir hören werden, wenn Roboter den Planeten erobern. Großartig – jetzt habe ich einen neuen Soundtrack für meine Albträume. Danke", schreibt ein User.

Was hinter Gibberlink steckt

Haben also Maschinen dank künstlicher Intelligenz plötzlich eine eigene, effizientere, für Menschen unverständliche Sprache entwickelt? Nicht ganz. Gibberlink ist eine Entwicklung der Meta-Ingenieure Boris Starkov (der im viralen Video als Auftraggeber der Zimmerbuchung fungiert) und Anton Pidkuiko, das auf dem OpenSource-Datenübertragungsverfahren GGWave basiert. Es basiert tatsächlich auf verschiedenen, seit den 80er-Jahren für Modems entwickelten Datenübertragungsprotokollen.

Gibberlink ist bis jetzt nur ein experimentelles Programm, das von keinem zur Zeit verfügbaren Sprachassistenzprogramm wie Alexa oder Siri verwendet oder verstanden wird. Zur Vorführung verwendete Starkov für das fiktive Telefongespräch zwischen Hotel und Hotelgast einen eigenen Laptop und ein eigenes Smartphone.

Die beiden Sprach-Bots wurden dabei so vorprogrammiert (gescripted), dass sie, sobald sie herausfinden, dass das Gegenüber ebenfalls ein Sprachbot ist, den Gibberlink-Modus vorschlagen. Abgesehen davon hatte Bot A nur den Auftrag, ein Hotelzimmer für einen bestimmten Zweck und Zeitraum zu buchen, während der andere Bot den Auftrag hatte, den Kundenauftrag abzuwickeln. Der auf Basis davon entstandene Dialog war nicht vorgegeben.

Video löst weltweiten Schock aus

Nichtsdestotrotz hat das Video weltweit Schockwellen ausgelöst, der Vorführeffekt ist gelungen. Auf Linkedin erklärte Gibberlink-Mitentwickler Starkov dann: "Wir wollten zeigen, dass KI-Agenten in einer Welt, in der sie Telefonanrufe tätigen und entgegennehmen können, auch gelegentlich miteinander sprechen – und die Generierung einer menschenähnlichen Sprache hierfür wäre eine Verschwendung von Rechenleistung, Geld, Zeit und Umwelt".

Gibberlink soll Gespräche 80 % schneller durchführen können, als Menschen – und dabei nur minimal Rechenleistung beanspruchen. Damit Menschen dennoch verstehen können, was "ihre" Roboter da so heimlich untereinander tuscheln, gibt es für das Programm auch eine automatische Textübersetzung. Gibberlink ist übrigens eine Anspielung auf das englische Wort "gibberish", das auf deutsch am ehesten mit "Kauderwelsch" übersetzt werden kann.

{title && {title} } NW, {title && {title} } Akt. 26.02.2025, 15:32, 26.02.2025, 14:51
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