Die Zustände in der illegalen Fleischerei in Wien-Favoriten haben für Entsetzen gesorgt: Ungekühlt auf dem Boden gelagertes Fleisch, das mit einer Heizkanone aufgetaut wurde, wurde offenbar an mehrere Wiener Lokale geliefert. Nach einer Razzia durch die Behörden wurden hunderte Kilo sichergestellt und vernichtet. Ob das Fleisch gesundheitsgefährdend war, klären laufende Untersuchungen – doch offizielle Antworten lassen auf sich warten. Wie Recherchen von "Heute" zeigen, gibt es von den zuständigen Stellen bislang keine konkreten Auskünfte.
Während Konsumenten nach wie vor verunsichert sind, erinnert der Fall an einen Döner-Skandal in Kärnten, bei dem ein Mann nach dem Verzehr eines belasteten Spießes schwer erkrankte und später starb. Viele Wiener fragen sich nun: Habe ich unwissentlich Fleisch aus dieser Produktion gegessen?
"Heute" hat bei den Wiener Grünen nachgefragt, wie sie die Lage einschätzen – und die Antwort ist klar: "Das ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem", erklärt die Wiener Grünen-Chefin Judith Pühringer.
Laut der Wiener Grünen-Chefin sei der Druck auf Produzenten enorm, die fehlende Transparenz in der Branche führe dazu, dass oft dort eingekauft werde, wo es am billigsten ist – auf Kosten der Qualität.
"Solche Skandale werden wir nur verhindern, wenn wir nachhaltige Betriebe stärken und strengere Kontrollen einführen", fordert Pühringer. Die Grünen plädieren für kleinere Produktionseinheiten, bessere Haltungsbedingungen und eine engmaschige Kontrolle der Betriebe, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.
Laut Pühringer kann die Stadt Wien hier aktiv gegensteuern: "Regionale Produzenten müssen wettbewerbsfähig bleiben, sonst dominieren billige Importe mit fragwürdiger Qualität den Markt."
Neben gezielten Förderungen fordert sie alternative Vermarktungsmöglichkeiten und eine transparentere Lebensmittelkette. Auch die öffentliche Beschaffung sei ein wichtiger Hebel, um hygienisch einwandfreie und nachhaltige Betriebe zu unterstützen.
Ein zentrales Problem sieht Pühringer in der fehlenden Herkunftskennzeichnung. "Die Konsumentinnen und Konsumenten wollen wissen, was sie essen – und sie haben auch ein Recht darauf!", stellt sie klar. Während im Einzelhandel bereits Fortschritte erzielt wurden, gebe es in der Gastronomie noch große Lücken.
Auf Bundesebene sei eine verpflichtende Kennzeichnung am Widerstand des ÖVP-Wirtschaftsflügels gescheitert.
Für die Grünen ist der Skandal ein Symptom eines größeren Problems. "Unsere Bäuerinnen und Bauern stehen unter enormem Preisdruck – wir müssen sie angesichts der internationalen Konkurrenz unterstützen", so Pühringer. In Wien setze sich ihre Partei außerdem dafür ein, biologisch wertvolle Flächen wie im Donaufeld vor Umwidmungen zu schützen.