Nach langem Hin und Her haben sich die Nato-Staaten Mitte Juli darauf geeinigt, dass die Ukraine definitiv in das Verteidigungsbündnis aufgenommen werden soll – "wenn die Verbündeten sich einig und bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind". Dieser kryptischen Aussage hat nun Stian Jenssen, der Stabschef des Nato-Generalsekretärs Jens Stoltenberg, mehr Klarheit verliehen.
Jenssen sieht eine Möglichkeit für einen Beitritt der Ukraine etwa darin, dass das Land im Gegenzug gewisse Gebiete an Russland abgibt. "Ich glaube, eine Lösung könnte darin bestehen, dass die Ukraine Territorium abgibt und im Gegenzug eine Nato-Mitgliedschaft erhält", sagte er am Dienstag bei einer Podiumsdiskussion im norwegischen Arendal. Dies schreibt die Zeitung "Verdens Gang".
Nato-Chef Stoltenberg hatte bislang stets betont, dass es an der Ukraine liege, sowohl den Zeitpunkt als auch die Bedingungen für Verhandlungen mit Wladimir Putin zu bestimmen. Jenssen weist nun aber darauf hin, dass man sich Gedanken machen müsse, wie die Sicherheitslage der Ukraine nach dem Krieg aussehen wird.
"Russland ist militärisch enorm angeschlagen und scheint nicht in der Lage, neue Gebiete zu erobern", so die Einschätzung des Nato-Stabchefs. Jetzt gehe es deshalb darum, welche Gebiete die Ukraine zurückerobern kann. "Ich sage nicht, dass dieser Tausch die einzige Lösung ist – aber es könnte eine Möglichkeit sein", schließt Jenssen.