Es begann im August 2023: In einer Straßenbahnstation in Wien-Margareten lauerte ein Mann Frauen auf. Er stand scheinbar unauffällig herum, beobachtete, wen er sich als nächstes aussuchen würde. Sobald eine Frau die Rolltreppe betrat – eine enge, nicht videoüberwachte Passage –, setzte er sich in Bewegung. Er folgte ihr, rückte immer näher, bedrängte sie. Manche spürten seine Berührungen erst, als es zu spät war.
27 Frauen meldeten sich, eine von ihnen war ihm sogar zweimal begegnet. Die Angst ging um in der Gegend – bis der 33-Jährige schließlich geschnappt wurde.
Vor Gericht zeichnete sich das Ausmaß der Übergriffe ab. In zwei besonders schweren Fällen kam es zu massiven Berührungen. Die Staatsanwältin fand deutliche Worte: "Das war nahe an einer Vergewaltigung." Frauen, die nichtsahnend auf dem Weg nach Hause waren, gerieten in seine Falle – auf der engen Rolltreppe gab es für sie keinen Ausweg.
Als der Angeklagte am Mittwoch vor dem Landesgericht für Strafsachen Platz nahm, verhüllte er sein Gesicht mit den Händen. Er schämte sich – doch seine Opfer mussten monatelang mit Angst leben. Der 33-Jährige legte ein Geständnis ab. Doch warum er es tat, blieb unklar. Sein Verteidiger versuchte eine Erklärung: "Er hat’s gesehen bei wem anderen und ist auf die blöde Idee gekommen, es auch zu machen."
Nach der Verhandlung fiel das Urteil: Ein Jahr Haft – drei Monate davon muss der Täter im Gefängnis absitzen, neun Monate wurden ihm unter einer dreijährigen Probezeit bedingt nachgesehen. Zudem ordnete das Gericht an, dass er sich binnen eines Monats einer geeigneten Therapie unterziehen muss.
Die Richterin fand klare Worte: Der Mann habe "Mitgefühl vermissen lassen" und sich selbst "am meisten leid getan". Sein Verhalten vor Gericht ließ kaum Reue erkennen – stattdessen schien er mehr um sich selbst besorgt als um seine zahlreichen Opfer. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.