Wälder und Böden dämpfen die Klimaerwärmung, indem 30 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen binden. Diese Speicherfunktion gerät jedoch zunehmend unter Druck: Dürren, Stürme und Brände vernichten Wälder - diese werden vielerorts sogar zu Kohlenstoffquellen.
„Je wärmer es wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass uns solche Rückkopplungen auf einen ganz anderen Klimapfad schicken.“Almut ArnethKarlsruher Institut für Technologie
Normalerweise sind Wälder Kohlenstoffsenken. Bäume binden durch Photosynthese CO2 und lagern dieses in ihrem Holz ein. "Doch ein toter Wald ist nicht nur keine Kohlenstoffsenke mehr - das CO2 im Holz kommt über Abbauprozesse wieder in die Atmosphäre zurück", so die deutsche Ökosystemforscherin Almut Arneth zum ORF.
Der Umkehrprozess kann so weit gehen, dass der Wald sogar zu einer Kohlenstoffquelle wird. In unserem Nachbarland Deutschland war das 2017 bis 2022 der Fall: Schäden durch Stürme, Dürre und Käferbefall waren damals größer als der Zuwachs an Biomasse. Für Österreich sind ähnliche Entwicklungen zu befürchten.
Neben Trockenheit setzen auch Brände den Wäldern auf der ganzen Welt zu. Beide Phänomene werden durch die globale Klimaerwärmung seit Jahren verstärkt.
Noch vor 20 Jahren war die globale Kohlenstoffaufnahme der Wälder stabil, auch wenn es regionale Unterschiede gab. In den gemäßigten Breiten wuchsen Wälder, gleichzeitig kam es zu Verlusten in den borealen Wäldern Alaskas, Kanadas und Russlands.
Aktuelle Zahlen zeigen fürs Vorjahr, dass die CO2-Speicherfunktion der Wälder zurückgeht. Böden und Wälder speicherten nur noch ein Fünftel dessen, was sie früher binden konnten. Grund dafür waren Extremwetterereignisse wie Waldbrände in Kanada und Dürreperioden im Amazonasgebiet.
Die Wetterverhältnisse der vergangenen Jahre würden insgesamt "andeuten, dass sich die Senkenfunktion der Wälder abschwächen könnte" - und zwar langfristig.
Nehmen die Wälder weniger CO2 auf, dann verbleibt mehr CO2 in der Erdatmosphäre, und es wird wärmer. Das stresst wiederum die Wälder, weshalb sie als Folge noch weniger CO2 aufnehmen können. Ein Rückkopplungsmechanismus entsteht.
"Je wärmer es wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass solche Rückkopplungen uns auf einen ganz anderen Klimapfad schicken", sagt Arneth. Das sei auch der Grund, warum die Wissenschaft so eindringlich dafür plädiere, die Erderwärmung zu begrenzen.
Dass Wälder von Kohlenstoffsenken zu Kohlenstoffquellen werden, ist keine unumkehrbare Dynamik, betont Arneth. Werden neue Bäume gepflanzt, dann können diese nach wenigen Jahrzehnten bereits relevante Mengen an CO2 binden.
Zudem liegen die großen CO2-Speicherpotenziale nicht nur in den Tropen, auch ein gesunder mitteleuropäischer Mischwald sei in seiner Speicherfähigkeit nicht zu verachten. Der Wald bietet nicht nur wichtige Lebensräume für eine Vielfalt an Tieren und Pflanzen, diese Vielfalt schützt den Wald auch vor Schädlingen und Dürre.