"Vielfache negative Folgen"

Tempo 150 – mehr Spritverbrauch, Schadstoffe und Lärm

Die FPÖ will bei den Koalitionsverhandlungen ein höheres Tempo-Limit auf unseren Autobahnen durchsetzen. Verkehrs-Experten schlagen Alarm.
Bernd Watzka
31.01.2025, 13:25

Eine Erhöhung des Tempolimits auf 150 km/h hätte "vielfache negative Folgen", stellt die Mobilitätsorganisation VCÖ fest. Im Vergleich zu Tempo 130 nimmt beim Pkw der CO2-Ausstoß um 19 Prozent zu, die Feinstaub-Emissionen um ein Drittel und jene der Stickoxide um 44 Prozent, weist der VCÖ auf das Umweltbundesamt hin.

Weitere Folgen eines höheren Limits wären mehr Spritverbrauch und mehr Verkehrslärm. Durch den deutlich längeren Anhalteweg bei Tempo 150 steige zudem auch das Unfallrisiko massiv, so der VCÖ.

Höheres Tempolimit gegen CO2-Ziele

Eine Erhöhung des derzeitigen Tempolimits stehe zudem im Widerspruch zum Ziel, die Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren und die Luftqualität in Österreich zu verbessern, warnen die Verkehrs-Experten.

"Der Preis für einen Zeitgewinn, der in der Praxis deutlich geringer sein wird als in der Theorie, wäre hoch: Mehr Spritverbrauch, mehr Lärm für Anrainer, mehr gesundheitsschädliche Schadstoffe und ein erhöhter CO2-Ausstoß", mahnt VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Bremsen und beschleunigen

Die Emissions-Zunahmen seien in der Realität sogar noch höher. "Die Daten beziehen sich auf ein gleichmäßiges Tempo. Doch in der Realität muss bei höherem Tempo öfters abgebremst und wieder beschleunigt werden", heißt es.

Dies erhöhe zudem bei Verbrenner-Pkw den Schadstoffausstoß und bei allen Fahrzeugen den Brems- und Reifenabrieb. Die Folge: "Noch mehr Mikroplastik gelangt in die Luft und in die Böden", so Schwendinger.

Stark erhöhter Spritverbrauch

Auch der Spritverbrauch nimmt mit dem Tempo zu. Ein Pkw, der bei 130 km/h 6,5 Liter pro 100 Kilometer benötigt, verbrennt bei 150 km/h im Schnitt 7,7 Liter. Auch hier gilt: Wird nach Bremsmanövern häufiger beschleunigt, steigt der Spritverbrauch zusätzlich.

Autofahren würde teurer werden

Ein höherer Spritverbrauch bedeute höhere Spritkosten, das Autofahren werde damit teurer. "Und es muss häufiger zur Tankstelle gefahren werden, was übrigens auch wieder einen Teil des theoretischen Zeitgewinns zunichtemacht", so der VCÖ.

Die Fakten: Während ein Pkw mit 6,5 Liter Spritverbrauch mit 50 Liter 769 Kilometer weit kommt, reicht es bei 7,7 Liter Spritverbrauch nur für 649 Kilometer. Bei Elektroautos sinkt die Reichweite bei sehr hohem Tempo stark.

Bremsweg wird länger

Die Reichweite sinkt, der Anhalteweg (Reaktionsweg + Bremsweg) nimmt hingegen stark zu. Während ein Pkw bei 130 km/h und einer Reaktionszeit von 0,8 Sekunden bei Notbremsung nach 73 Metern steht, hat der Pkw mit 150 km/h nach 73 Metern noch eine Geschwindigkeit von 122 km/h. "Man kann sich vorstellen, welche Folgen es hätte, wenn ein Auto mit diesem Tempo auf eine Kolonne auffährt", heißt es.

Toleranzgrenzen höher

Verschärft würden die Folgen von Tempolimit 150 durch die hohen Toleranzgrenzen beim Überschreiten von Tempolimits. Statt 150 wird dann 160 km/h oder noch schneller gefahren. Sowohl Verbrauch und Schadstoff-Ausstoß, als auch Bremsweg und Lärm nehmen mit dem Tempo exponentiell zu", so Schwendinger.

{title && {title} } bw, {title && {title} } Akt. 31.01.2025, 15:02, 31.01.2025, 13:25
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