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Sorge um Rayans Zustand: Brunnen-Rettung verzögert sich

Seit Tagen ist der kleine Rayan in einem tiefen Schacht in Marokko gefangen. Nur wenige Meter trennen die Rettenden noch von dem Kind. 
20 Minuten
05.02.2022, 19:42

Nach dem Sturz des fünfjährigen Rayan in einen tiefen Brunnen in Marokko dringen die Retter nur langsam zu dem Kind vor. Da der Brunnen einen Durchmesser von nicht mehr als 45 Zentimeter hat, konnten die Rettungskräfte nicht direkt in den Brunnen hinabsteigen. Über Schläuche brachten sie derweil Wasser und Sauerstoff an den Grund des Brunnens. Doch die Sorge um den Zustand des Fünfjährigen wächst mit jeder Stunde.

Aufgrund der Bodenbeschaffenheit des Geländes sei es schwierig, einen Zeitrahmen für die weitere Dauer der Rettungsarbeiten zu bestimmen, meldete die staatliche marokkanische Nachrichtenagentur MAP am Samstag unter Berufung auf lokale Behörden. Die Retter seien inzwischen aber nur noch anderthalb Meter von dem Jungen entfernt, schrieb das staatsnahe Fernsehen 2M auf Twitter. "Wir sind fast am Ziel", sagte Abdesalam Makoudi, einer der Leiter der Aktion, am Samstag. Doch die Fortschritte auf den letzten Metern sind minimal.

Kameraaufnahmen zeigen erste Lebenszeichen

Eine Kamera, die zu dem Bub heruntergelassen wurde, zeigt, wie sich das Kind bewegt. Experten zufolge ist es aber nicht möglich, den Gesundheitszustand des Fünfjährigen zu bestimmen.

Seit Freitagabend graben die Helfenden in rund 32 Metern Tiefe einen horizontalen Tunnel, um Rayan über ein eigens parallel zum Brunnen gegrabenes Loch zu erreichen. Die ganze Nacht zum Samstag und bei Eiseskälte setzten die Teams die Bohrarbeiten fort. Wegen der komplizierten Bodenbeschaffenheit und der Gefahr von Erdrutschen kommen sie nur schleppend voran. Immerhin gelang es ihnen am Morgen nach drei Stunden, um einen großen Felsblock herum zu manövrieren. Die Retter bauen MAP zufolge Betonrohre in den horizontalen Tunnel, um die Erde zu stabilisieren.

Tausende Menschen bangen vor Ort

Inzwischen mache sich Müdigkeit breit, "aber das gesamte Rettungsteam hält durch", berichtete Makoudi. Koordinator Abdelhadi Tamrani sagte dem staatlichen Fernsehsender 2M, er habe "große Hoffnungen", dass Rayan die Tortur lebend übersteht.

Ganz Marokko verfolgt mit großer Anteilnahme das Schicksal des kleinen Jungen. Tausende Menschen versammeln sich seit Tagen an der Unglücksstelle, viele blieben trotz der Kälte auch über Nacht. Am Freitag errichtete die Polizei schließlich Metallbarrieren, damit die Rettungskräfte bei ihrer Arbeit nicht behindert werden.

Rayan war am Dienstagnachmittag in den ungesicherten Brunnen in der Nähe seines Zuhauses in einem Dorf rund 150 Kilometer nördlich der Stadt Fes gefallen.

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