Das haben die wenigsten erwartet: Wien prescht beim Handy-Verbot in Schulen vor. Sehr bald soll in allen Volks- und Mittelschulen sogar in Pausen Smartphones und Co. strikt verboten sein. Wer das nicht beachtet, riskiert Strafen.
"Heute" hat sich in ganz Österreich umgehört, was sind die Folgen der Handynutzung in unseren Schulen?
Im Extremfall wird das Handy zur Tatwaffe. Ein negativer Trend unter jugendlichen Schülern ist das sogenannte "Happy Slapping" (auf Deutsch: fröhliches Watschen). Eine besorgte Mutter aus Kärnten hat uns das erklärt: "Teenager finden das lustig, sie verprügeln einen Klassenkollegen, filmen den brutalen Vorgang und stellen das dann auf Soziale Medien." Lieblingsmedium dabei ist Snapchat.
Mobbing ist ab der ersten Klasse Mittelschule oder Gymnasium ein großer Faktor des Schulalltags. "Ab der Mittelschule gibt es einen exponentiellen Anstieg der Fälle", das sagte Evelyn Kometter, Vorsitzende des Dachverbands der Elternvereine, zu "Heute". Wüst beschimpft werden alle: Familienmitglieder, Freunde und vor allem die Schüler selbst. Diese Wutausbrüche landen häufig per Soziale Medien in der Öffentlichkeit. Die Folgen für die Betroffenen sind häufig sehr ernst. Viele brauchen Hilfe.
Auch Evelyn Kometter beschrieb vor einigen Wochen ein konkretes Beispiel: "Im Unterricht fotografierte ein Schüler den Oberarm eines Mädchens, das Bild wurde auf online gepostet – darauf gab es Hinweise, wo das Mädchen überall Fett absaugen sollte."
Kurz vor Jahreswechsel erreichte uns ein besorgniserregender Fall aus Tirol. Via Snapchat verbreitete sich ein Video mit Höchstgeschwindigkeit. Darauf zu sehen: Ein 13-Jähriger, der mit Schusswaffe in der Hand offenbar einen Amoklauf androhte: "Ich werde euch alle umbringen!" Die Polizei musste einschreiten, kontrollierte die Klassen.
Studien zu Mobbing zeigen wie dominant das Thema unter Kindern und Jugendlichen ist. Jeder Vierte (genau 24 %) der Schüler leiden unter Mobbing via Sozialen Medien – das beklegt eine Untersuchung für die Kinder- und Jugendanwaltschaft (1.000 Interviews mit 14- bis 18-Jährigen).
Beinahe täglich hat Expertin Denise Schiffrer-Barac mit dem Phänomen zu tun: "Sie verstärken das raue Klima. Im digitalen Bereich sinken die Hemmschwellen ganz besonders. Die Jungen unterscheiden nicht mehr zwischen der echten und der digitalen Welt", sagt sie zu "Heute".
Dennoch: Schiffrer-Barac ist gegen ein strenges Verbot, sie plädiert für ein Gebot, "die digitale Bildung soll vorangetrieben werden, das könnte viele Fälle verhindern."
Schon fast harmlos dagegen wirken Handys als reiner Störfaktor. Vor allem Eltern seien daran schuld, erzählte uns eine Wiener Schuldirektorin: "Helikoptereltern rufen täglich an, um zu erfahren, ob ihr Kind auch wirklich in der Schule angekommen ist", beschreibt sie den Alltag in den ersten vier Schulklassen. "Manche Schüler gehen regelmäßig aufs Klo, um die Eltern anzurufen."