Das Geld fehlt hinten und vorne, so geht es immer mehr Menschen. Eine Studie des Instituts für Handel, Absatz und Marketing der Linzer Kepler Universität bringt neue Zahlen. Eines der dramatischen Ergebnisse: 22 Prozent der Haushalte mit vergleichsweise niedrigem Einkommen müssen sogar ihre Ausgaben für Lebensmittel einschränken.
Weiters auffallend: Personen aus dem unteren Gehaltssektor müssen bei Elektrogeräten und Möbeln verstärkt sparen. 54 Prozent der Betroffenen reduzieren hier ihre Ausgaben. Zum Vergleich: In den höheren Einkommensklassen sind es nur 35 Prozent.
Ein Experte erklärt jetzt eindrucksvoll, wie gravierend die Lage mittlerweile ist. "Heute" wollte von Thomas Berghuber, Geschäftsführer der Schuldnerberatung Oberösterreich, wissen: Wie sieht der typische Betroffene aus, der bei ihm nach Hilfe sucht? Wer also ist völlig überschuldet? Berghuber schildert ein reales Beispiel.
"Der klassische Klient, der zu uns kommt, ist männlich, zwischen 30 und 40 Jahre alt", so Berghuber. "Er hat ein Nettoeinkommen von rund 2.000 Euro. Seine Schulden betragen rund 55.000 Euro. Für eine neue Wohnung und Möbel hat er zirka 20.000 Euro ausgegeben."
Zusätzlich belasten den Mann laufende Kosten und er muss Zinsen bedienen. Mehreren Gläubigern schuldet er Geld. "Eines Tages least er sich ein Auto auf Kredit. Die Leasingrate beträgt zwischen 300 und 600 Euro monatlich. Das kann er sich noch leisten."
Doch dann kommt der finanzielle Crash. Der Mann verliert seinen Job. Arbeitslosigkeit sei ein "Hauptproblem der Klienten dieser Tage". Außerdem zusätzlich dramatisch: "Jetzt kommt Weihnachten und damit die Verlockung, im (Online-)Handel Waren auf Raten zu zahlen, weil man es bar nicht mehr hat", erklärt Berghuber.
„Jetzt kommt Weihnachten und damit die Verlockung, im (Online-)Handel Waren auf Raten zu zahlen, weil man es bar nicht mehr hat."“Thomas BerghuberGeschäftsführer der Schuldnerberatung OÖ
Nun macht auch die Bank Druck, warnt ihn zum ersten Mal. "Zusätzlich beginnt er, bei Versandhäusern online zu kaufen." Daraufhin sperrt ihm das Zahlungsinstitut sein Girokonto, weil zu wenig Geld darauf landet. Inzwischen wurde der Schuldner freigestellt. Bittere Folge: Er bekommt keine 14 Gehälter im Jahr mehr, sondern ein "spürbar geringeres Arbeitslosengeld".
Die Schuldnerberatung OÖ ist eine staatlich anerkannte Organisation, die seit 1990 tätig ist. Neben Linz gibt es Büros in Wels, Steyr, Ried und Vöcklabruck. Das Team besteht aus Juristen, Sozialarbeitern und Bankkaufleuten.
Ist ein Klient von Privatinsolvenz betroffen, darf die Einrichtung ihn vor Gericht vertreten. Die Beratungsstelle, die Mitglied in der Dachorganisation ASB Schuldnerberatungen ist, wird vom Sozialressort des Landes finanziert.
Anschließend wird es bedrückend: Sein Konto ist komplett überzogen, die Miete kann nicht mehr abgebucht werden. Außerdem muss er mit der Leasingfirma reden, da er kein Einkommen mehr hat und die Raten nicht mehr bezahlen kann", schildert der Geschäftsführer, wie es weitergeht. "Irgendwann ist der Klient in Teufels Küche. Er kann sich die Miete nicht mehr leisten. Der Vermieter klagt auf Zahlung, es droht sogar eine Delogierung im schlimmsten Fall."
„Irgendwann ist der Klient in Teufels Küche. Er kann sich die Miete nicht mehr leisten. Der Vermieter klagt auf Zahlung, im schlimmsten Fall droht sogar eine Delogierung.“
Überziehungskosten folgen. Und: "Sein Auto wird vom Leasingunternehmen abgeholt, hohe Restforderungen kommen auf ihn zu." Ganz arg sei es, wenn noch ein Partner oder gar Kinder mit betroffen sind. Verschärfen würde sich die Lage obendrein, wenn ein Unfall oder eine Scheidung im Spiel sind. Das ausgeführte Exempel sei nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil: "Solche Fälle passieren regelmäßig bei uns, aus dem ganz normalen Leben. Das kann überall im Bundesland passieren", warnt Berghuber.