Die Schockwellen nach der Bluttat in Villach sind noch immer spürbar. Ein 23-jähriger Syrer stach am 15. Februar wahllos auf Passanten ein, tötete einen Jugendlichen und verletzte fünf weitere Menschen schwer. Die Ermittler gehen von einem islamistischen Terroranschlag aus. Österreichweit sorgt die Tat für Entsetzen – und innerhalb der syrischen Community für Bestürzung.
Um sich klar von Extremismus zu distanzieren, ruft nun die "Freie syrische Gemeinde Österreich" zu einer Demonstration gegen Terror auf. Sie wollen zeigen, dass die Mehrheit der syrischen Bevölkerung in Österreich Gewalt verurteilt und für ein friedliches Miteinander steht.
Am Sonntag, 25. Februar, versammeln sich die Demonstranten um 17 Uhr am Christian-Broda-Platz (Westbahnhof). Von dort zieht der Protestzug über die Mariahilfer Straße und den Ring bis vor das Parlament. Dort soll es eine Abschlusskundgebung geben, bei der Redner aus der syrischen Community zu Wort kommen.
"Wir leben hier in Sicherheit und sind Österreich dankbar. Wer Gewalt sät, spricht nicht für uns!", heißt es in einer Stellungnahme der Veranstalter. Die Initiative betont, dass sich nicht alle über einen Kamm scheren lassen. Die Mehrheit der Syrer sei vor genau jenem Terror geflohen, den der Täter in Villach verübt habe.
Dass der Täter nicht noch mehr Opfer forderte, ist einem 42-jährigen Syrer zu verdanken, der beherzt eingriff. Als er den Amoklauf beobachtete, zögerte er keine Sekunde und rammte den Angreifer mit seinem Auto. Laut Polizei konnte er so die Attacke stoppen und eine noch größere Tragödie verhindern.
Für viele in der syrischen Community ist dieser Mann nun ein Symbol des Widerstands gegen Terror. Während Extremisten für Angst und Gewalt stehen, habe er mit seinem Mut das Leben Unschuldiger gerettet. Auch in sozialen Netzwerken wird seine Tat gefeiert – er gilt als Held von Villach. Mittlerweile wurde der Held selbst zum Ziel von Islamisten und steht sogar unter Polizeischutz. Über Facebook erhielt der Vater von drei Kindern Nachrichten wie "Du bist der Nächste".
Auch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) setzte ein Zeichen des Gedenkens. Eigentlich war die feierliche Eröffnung des neuen islamischen Kulturzentrums in Villach ("Weiße Moschee") geplant, doch angesichts der Ereignisse wurde die Feier abgesagt.
Stattdessen wurde nach dem Freitagsgebet eine interreligiöse Trauerfeier mit Friedensgebeten abgehalten. Vertreter verschiedener Glaubensgemeinschaften nahmen teil, um gemeinsam der Opfer zu gedenken. "Wir beten für die Verstorbenen und ihre Familien – und für Frieden", so die IGGÖ in einer Mitteilung.
Die "Freie syrische Gemeinde Österreich" ist in den letzten Monaten immer wieder als Sprachrohr der syrischen Community aufgetreten. Im vergangenen Jahr organisierten Mitglieder des Vereins Hilfsaktionen für die Opfer der Hochwasserkatastrophe in Niederösterreich. Jetzt wollen sie ein Zeichen gegen Terror setzen.
Der Protest am 25. Februar soll klarstellen: Nicht alle Syrer sind Terroristen! Die Organisatoren betonen, dass sich die meisten Syrer in Österreich für eine demokratische, säkulare Gesellschaft einsetzen. "Wir sind hier, weil wir Frieden wollen – und genau das werden wir zeigen", so die Veranstalter.