Deutschland

Lars Klingbeil will der neue starke Mann der SPD werden

Er soll die Partei aus dem historischen Tief führen: Die Hoffnung der SPD ruht derzeit auf dem 47 Jahre alten Lars Klingbeil.
20 Minuten
24.02.2025, 22:12

"Dieses Ergebnis ist eine Zäsur. Dieses Ergebnis wird Umbrüche erfordern in der SPD", sagte SPD-Chef Lars Klingbeil am Abend nach der Bundestagswahl. Seine eigene Position will Klingbeil trotz der schweren Wahlniederlage seiner Partei jetzt aber noch ausbauen: Noch am Sonntagabend ließ er sich durch einen Beschluss des Parteipräsidiums als neuen SPD-Fraktionschef vorschlagen.

Ziel sei, dass Partei- und Fraktionsvorsitz künftig "in einer Hand liegen", begründete Klingbeil dieses Vorgehen. Zugleich kündigte er einen "Aufarbeitungsprozess" an. Im Zentrum müssten nun "Fragen der Modernisierung und Erneuerung der Sozialdemokratie" stehen. Diesen Prozess will der Niedersachse nun offensichtlich als starker Mann der SPD moderieren.

Lars Klingbeil: Zur Person

Lars Klingbeil wurde 1978 in Soltau in Niedersachsen geboren und wuchs im benachbarten Munster auf, einer Kleinstadt mit einem der größten Bundeswehrstandorte Deutschlands. Sein Vater arbeitete als Berufssoldat, seine Mutter als Einzelhandelskauffrau. Klingbeil engagierte sich als Schülersprecher und trat 1996 in die SPD ein. In seiner Jugend war er auch in der Antifa aktiv.

Ungeachtet seiner Herkunft verweigerte Klingbeil den Dienst bei der Bundeswehr. Seinen Zivildienst absolvierte er in der Bahnhofsmission Hannover. In der Stadt studierte er auch Politikwissenschaft, Geschichte und Soziologie. Nebenher arbeitete Klingbeil im Wahlkreisbüro des damaligen SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder und machte Kommunalpolitik.

Ex-Rockmusiker und Bayern-Fan

Klingbeil ist seit 2019 verheiratet. Zu seinen Hobbies gehört unter anderem das Gitarrenspiel – in jüngeren Jahren trat er in mehreren Bands auf, darunter die Rockbands "Sleeping Silence" und "Pflaumenmus". Gegenüber der "Zeit" sagte er: "Ich habe in meinem Büro und auch zu Hause in Münster sehr viele Gitarren. Das ist für mich wie Meditation, wenn ich spiele."

Sein Outfit hat der 1,96 Meter große SPD-Politiker im Laufe der Zeit deutlich verändert. Bei seiner ersten Wahl in den Bundestag trug er statt des aktuellen Kurzhaarschnitts noch längere Haare und ein Augenbrauenpiercing. Er betreibt regelmäßig Crossfit.

Seit März 2022 ist der – trotz seiner norddeutschen Herkunft – langjährige Anhänger des Vereins Mitglied des Verwaltungsbeirats des FC Bayern München.

Grund zur Aufarbeitung gibt es genug. Nach dem Bruch der durch ständige Streitereien geprägten Ampel-Koalition mit Grünen und FDP Anfang November musste Klingbeil aus einer ungünstigen Ausgangsposition heraus einen kurzen Winter-Wahlkampf organisieren. Eine Neuauflage des Erfolgs von 2021 misslang dabei gründlich. Stattdessen stürzte die Partei am Sonntag auf nur noch 16,4 Prozent ab – ihr schlechtestes Ergebnis seit Bestehen der Bundesrepublik.

Mit der Wahl Klingbeils in dieses Amt könnten sich also die Gewichte bei den Sozialdemokraten nach rechts verschieben. Zum linken Flügel werden hingegen Co-Parteichefin Saskia Esken und Generalsekretär Matthias Miersch gezählt.

Klingbeil, der am Sonntag der Bundestagswahl 47 Jahre alt wurde, zählt innerhalb seiner Partei zum konservativen Seeheimer Kreis – anders als der bisherige SPD-Fraktionschef und Parteilinke Rolf Mützenich, der nicht erneut antreten will. Klingbeil hatte den Parteivorsitz im Dezember 2021 als Nachfolger von Norbert Walter-Borjans übernommen, der damals nicht erneut antrat. Zuvor war er seit 2017 SPD-Generalsekretär gewesen. "Menschen und Ressourcen zusammenzubringen, um immer wieder neu um die richtigen Antworten zu ringen" – so beschrieb er seine Aufgaben bei seiner Wahl an die Parteispitze an der Seite von Esken.

2021 Olaf Scholz zum Kanzleramt verholfen

Als Klingbeil Ende 2017 SPD-Generalsekretär wurde, sollte er eigentlich die Erneuerung der Partei in der Opposition organisieren. Stattdessen führte er nach dem Scheitern der Verhandlungen über ein Jamaika-Bündnis von CDU/CSU, Grünen und FDP damals dann bald Verhandlungen über die Neuauflage der großen Koalition.

Sein größter Erfolg als Generalsekretär war der Bundestagswahlkampf 2021, an dessen Ende die SPD mit Olaf Scholz als Spitzenkandidat wider Erwarten stärkste Kraft wurde. Danach als Parteichef war es seine wichtigste Aufgabe, in der Koalitionsregierung das Profil der SPD weiter erkennbar werden zu lassen.

Nach mehreren USA-Aufenthalten und einem Nachrücker-Gastspiel 2005 gehört Klingbeil seit 2009 dem Bundestag an, wo er zunächst vor allem Digital- und Verteidigungsthemen beackerte. Transparenz ist für ihn zentral: Er veröffentlicht über die Pflichtangaben hinausgehende Details zu seinen Einkünften und zu Lobby-Kontakten.

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