Vor rund 20 Jahren veränderte eine routinemäßige Kontrolluntersuchung beim Gynäkologen das Leben von Elisabeth Pichler drastisch. Der PAP-Test, bei dem Zellveränderungen am Gebärmutterhals festgestellt werden, war auffällig. Die damals 23-jährige Studentin war gerade mit ihrer WG-Mitbewohnerin zu Hause, als das Telefon klingelte und ihr Arzt ihr mitteilte, dass der Krebsabstrich verdächtig sei.
"Ich hatte mich bis dahin nie groß mit dem Thema beschäftigt. Als ich das Wort Gebärmutterhalskrebs hörte, verfiel ich in Panik. Ich war fix und fertig. Ich begann zu googeln und fand nur mehr Horrormeldungen zum Thema. Von einem Moment auf den anderen hat es mir den Boden unter den Füßen weggezogen", erinnert sich die 43-Jährige.
Nach dem ersten Schock vereinbarte sie einen Folgetermin. Weil sie sich aber schon länger nicht mehr ernst genommen und verstanden fühlte, wechselte sie in dieser Zeit den Arzt. Ein nachfolgender HPV-Test ergab, dass sie mit einem Hochrisikotyp des Humanen Papillomavirus (HPV) infiziert war.
Rund ein Jahr lang wurde Pichler engmaschig untersucht, doch die Befunde blieben auffällig. Schließlich wurde ein kleiner operativer Eingriff notwendig, bei dem ein Teil des Gebärmutterhalses entfernt wurde. "Die Operation verlief ohne Komplikationen, aber die Angst vor Spätfolgen blieb", berichtet sie. "Kann ich später Kinder bekommen? Wie hoch ist das Risiko einer Frühgeburt? Diese Fragen begleiteten mich sehr lange."
Im Fall der Burgenländerin wendete sich schließlich alles zum Positiven. Mit ihrem Partner und ihren beiden Kindern (7 und 9 Jahre) lebt sie heute in der Schweiz und ist Geschäftsführerin von "Gynial" in der Schweiz, einer Firma, die sich auf Produkte für Frauengesundheit spezialisiert hat.
"Das Thema ist unterbewusst aber dauernd präsent. Jedes Jahr bin ich bei der Kontorolle, jedes Jahr wird der PAP-Abstrich gemacht und jedes Jahr hoffe ich, dass es gut ausgeht", sagt sie. Die Diagnose war ein Anlass, um bewusster zu leben. "Ich achte mehr auf meinen Lebensstil, reduziere Stress und mache Yoga. Mein heutiges Verhalten hat Einfluss auf meine spätere Gesundheit. Das muss jedem von uns klar werden", so die Unternehmerin.
Was Pichler in der schwierigen Zeit geholfen hat, war darüber zu sprechen. "Viele Frauen erleben dasselbe, aber kaum jemand spricht darüber. HPV ist weitverbreitet – rund 80 Prozent der Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens damit. Und doch ist es ein Tabuthema."
In Österreich erkranken jährlich 6 von 10.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Die HPV-Impfung ist sinnvoll und rechtzeitige Untersuchungen können viel bewirken. Dazu möchte Pichler alle Frauen ermutigen. "Jährliche Vorsorgeuntersuchungen sind extrem wichtig. Je früher Zellveränderungen erkannt werden, desto besser sind die Heilungschancen. In meinem Fall ging es gut aus – aber leider ist das nicht immer so."