Vom festen Freund über die beste Freundin bis hin zum einfachen Kollegen – "Wie geht's, Maus?" dürfte alle ansprechen. Der Tier-Kosename ist gerade überall zu hören und zu lesen. "Wir sind jetzt alle Mäuse", bestätigt Social-Media-Expertin Judith Bähler den aktuellen Trend, den sie vor allem den Kaulitz-Brüdern zuschreibt.
Egal ob "Süßmaus", "Mitbewohnermaus" oder "Yogamaus" – laut der deutschen Linguistin Christa Dürscheid lässt sich "Maus" fast beliebig mit anderen Begriffen kombinieren. Doch dies sei nur einer von vielen Gründen, weshalb dieser Kosename gerade Einzug hält.
Als Kosename ist "Maus" nicht neu. Der Begriff reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück und wurde auch von den Eltern und Großeltern der Generation Z benutzt. Mit dem Erwachsenwerden sei diese Bezeichnung aber nur noch in einer Partnerschaft zu finden gewesen.
Ein deutlicher Unterschied zur jetzigen Verwendung: "Heute ist der Begriff alters- und geschlechtsübergreifend", erklärt Social-Media-Expertin Bähler. Es sei ein Ausdruck, der Unabhängigkeit von traditionellen Rollenbildern zeige.
Bereits der deutsche Schriftsteller Friedrich Schiller verwendete "Maus" als Kosewort in seiner Komödie "Körners Vormittag" (1787). Darin bittet Oberkonsistorialrat Körner seine Frau zuerst um Kaffee und dann um einen Kuss mit den Worten: "Gib mir einen Kuss, kleine Maus." Doch während der Begriff damals alters- und genderspezifisch sowie oft herabwürdigend verwendet wurde, hat sich seine Bedeutung heute stark gewandelt.
Der Kosename erhielt laut Bähler besonders durch die Kaulitz-Brüder einen starken Aufschwung: "In ihrer Netflix-Doku 'Kaulitz & Kaulitz' zeigen die beiden, dass auch erwachsene, coole Männer sich gegenseitig Maus nennen dürfen." Indem Bill und Tom Kaulitz den Begriff öffentlich – und oft – verwenden, zeigten sie, dass "Maus" Ausdruck liebevoller Annahme sein könne, unabhängig von Geschlechterrollen.
Dürscheid zufolge zeige die aktuelle Verwendung des Kosenamens, wie die Vorstellung, dass Verniedlichungen nur im privaten oder weiblichen Kontext angebracht seien, durchbrochen wird. "Dass Männer ebenfalls als Mäuse bezeichnet werden können, zeugt von einem allgemeinen Wandel – Verniedlichungen sind nicht mehr respektlos, und das Sanfte und Weiche muss nicht mehr als Schwäche gelten."
Eine Studie von Parship Schweiz aus dem Jahr 2022 zeigt, dass etwa 30 Prozent der Befragten ihren Kosenamen als passend empfinden. Zu den häufigsten gehören:
1. Liebes, Liebste, Liebster, Liebling
2. Schatz, Schatzi, Schätzchen
3. Süße, Süßer
Allerdings gibt es einige Kosenamen, mit denen Frau und Mann auf keinen Fall angesprochen werden möchten. Die "No-go-Hitliste" der Kosenamen:
1. Dummerchen
2. Pupsi, Pupser
3. Stinker
"Kosenamen an sich haben etwas Nähesprachliches – drücken also Wärme und Verbundenheit aus", erklärt die Linguistin. Es sei allerdings ein Unterschied, ob man über jemanden als "Süßmaus" spricht oder die Person direkt so anspricht. Dürscheid und Bähler beobachten, dass Influencer zunehmend dazu übergehen, sich selbst und ihre Follower als "Mäuse" anzusprechen, um eine engere Bindung in der Community zu schaffen.