Mieter verzweifeln

Heroin-Höhle in Wiener Altbau – Keller als Drogennest

Drogenmüll, beißender Uringestank und Junkies, die es sich auf der Stiege gemütlich machen – ein Wiener Altbau ist zum Drogen-Hotspot geworden.
Christoph Weichsler
14.02.2025, 09:45

"Ich habe jeden Tag Angst, auf eine benutzte Heroin-Spritze zu treten!", so ein Mieter bei einem Lokalaugenschein in Wien-Neubau. Ein Wohnhaus in der Gürtel-Gegend entwickelt sich dort zum Drogen-Hotspot. Im Keller liegen verbrannte Alufolien, leere Drogen-Kapseln und Müll. Bewohner berichten, dass sich oft Unbekannte einnisten – und auch im Stiegenhaus sei es nicht mehr sicher.

"Ich weiß nicht mehr, wer mir im Haus begegnet", erzählt ein Mieter, der sich an "Heute" wandte. Als er kürzlich in den Keller ging, entdeckte er einen Sessel mitten auf der Treppe – daneben Alufolien mit Brandspuren und verkohlte Drogen-Rückstände.

Warum ist die Alufolie ein Problem?

Immer wieder finden Mieter verbrannte Alufolien in Stiegenhaus und Keller. Diese sind ein deutliches Zeichen für Drogenkonsum: Drogen wie Heroin oder bestimmte Tabletten werden oft auf Alufolie erhitzt, um die Dämpfe zu inhalieren. Zurück bleiben schwarze Brandflecken und verbrannte Ränder. "Wenn ich so eine Folie sehe, weiß ich, dass hier jemand Drogen genommen hat", sagt der Mieter.

Zusätzlich entstehen durch das Rauchen auf Alufolie giftige Rückstände, die an Wänden oder Fensterbänken haften bleiben können. "Ich will nicht, dass Kinder im Stiegenhaus spielen, wenn da Spuren von Drogen sind", betont der "Heute"-Leser.

Crack-Pfeife direkt am Eingang gefunden!

Dann der nächste Horrorfund: Direkt am Hauseingang entdeckte ein Bewohner eine selbstgebaute Crack-Pfeife. Eine aus einer Plastikflasche gebastelte Konstruktion, mit der Crack, Heroin und andere Substanzen geraucht werden können.

"Es lag einfach da – mitten auf der Treppe", berichtet er entsetzt. "Was, wenn Kinder so etwas in die Hände bekommen?" Für die Mieter ist klar: Die Lage eskaliert weiter. "Drogen werden hier nicht nur konsumiert, sondern auch offen zurückgelassen. Das ist eine Gefahr für alle."

Fremde dringen ins Haus ein

Die Angst unter den Bewohnern wächst. Eine Nachbarin erzählt von einer brenzligen Begegnung: "Es kommen immer wieder Fremde ins Haus. Vor kurzem habe ich einen erwischt, der im Stiegenhaus saß – der war voll auf Droge."

Sie sprach ihn an, sagte ihm, dass er hier nicht wohnt und gehen soll. "Ich habe ihm klargemacht, dass ich sonst die Polizei rufe – dabei habe ich mich langsam rückwärts bewegt, immer mit Abstand, weil ich nicht wusste, wie er reagieren würde. Was ist, wenn der mich im Rausch angreift? Als Frau bin ich hilflos!"

"Nur Frage der Zeit, bis hier einer an Überdosis stirbt"

Doch das Stiegenhaus reicht längst nicht mehr – nun haben sich die Konsumenten den Keller als Rückzugsort erobert. Ein Abteil wurde aufgebrochen, der Boden ist mit Müll übersät, auf einer Fensterbank liegt eine frische Alufolie für den nächsten "Trip" bereit.

Der Bewohner ist alarmiert: "Ich will nicht, dass mein Wohnhaus zum Fixpunkt für eine Drogenszene wird!" Besonders beunruhigt ihn, dass die Lage bereits "am Kippen" sei. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand hier an einer Überdosis stirbt und im Stiegenhaus liegt."

Polizei verweist auf Grätzlpolizisten

Auf Anfrage von "Heute" bestätigt die Wiener Polizei, dass solche Vorfälle in Mehrparteienhäusern nicht ungewöhnlich sind: "Dass Suchtgiftabhängige in Kellern und Stiegenhäusern Drogen konsumieren, ist grundsätzlich nichts Neues und kommt immer wieder vor."

Eine auffällige Häufung von Einsätzen liege an der Adresse jedoch nicht vor. Die Polizei verweist betroffene Anrainer an die Grätzlpolizisten der zuständigen Polizeiinspektion, die sich um derartige Anliegen kümmern.

Suchthilfe Wien: Keine Meldungen, aber mehr Präsenz geplant

Auch die Suchthilfe Wien wurde von "Heute" mit der Situation konfrontiert. Laut Bereichsleiter Martin Tiefenthaler seien den Teams bisher keine Vorfälle an dieser Adresse gemeldet worden. Dennoch wolle man die Präsenz in der Umgebung künftig verstärken."Unsere Mitarbeiter sind regelmäßig im öffentlichen Raum unterwegs und bieten Beratung sowie Hilfsangebote an", so Tiefenthaler.

Eine Veränderung der Situation sei jedoch nicht erkennbar, da der Aufenthalt von Menschen mit Suchterkrankungen oft schwanke. Neben der Unterstützung für Betroffene bietet die Suchthilfe auch Hilfe für Anrainer an. "In Fällen von Konsum in Stiegenhäusern oder Kellern können bei einem Lokalaugenschein vor Ort Handlungsoptionen besprochen werden", so Tiefenthaler. Ob das die Lage für die betroffenen Bewohner verbessern kann, bleibt abzuwarten.

Anwohner fordern Sicherungsmaßnahmen

Für die Bewohner ist keine Lösung in Sicht. "Es kann nicht sein, dass jeder einfach ins Haus spazieren kann!", fordert eine Anrainerin. Sie verlangt eine bessere Haustürsicherung, damit Unbefugte gar nicht erst ins Gebäude gelangen können.

Ob und wann Maßnahmen ergriffen werden, bleibt unklar – die Anwohner fordern dringend Lösungen.

{title && {title} } CW, {title && {title} } Akt. 14.02.2025, 09:48, 14.02.2025, 09:45
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