Nachdem Ekrem Imamoglu wenige Tage vor seiner geplanten Ernennung zum Präsidentschaftskandidaten der CHP, der größten Oppositionspartei in der Türkei, verhaftet worden ist, kommt es zu Protesten – obwohl solche offiziell untersagt wurden. Zahlreiche Studenten versammelten sich an der Universität Istanbul und forderten die Freilassung des größten politischen Rivalen von Präsident Recep Tayyip Erdogan.
Vor dem Haupttor der Universität erklärten die Studierenden: "Wir rufen alle unsere Kommilitoninnen und Kommilitonen dazu auf, sich für unsere demokratischen Rechte und Freiheiten einzusetzen." Anschließend setzten die jungen Menschen ihren Protestmarsch in Richtung Saraçhane, dem Sitz der Stadtverwaltung von Istanbul, fort.
In einer Erklärung der Studenten hieß es: "Dieser Prozess gegen gewählte Politiker zeigt erneut, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit mit Füßen getreten werden und der Wille des Volkes missachtet wird."
Die Istanbul-Universität hatte Imamoglu erst am Dienstag seinen Abschluss aberkannt und sich auf einen unrechtmäßigen Universitätswechsel vor rund 30 Jahren berufen. In der Türkei ist ein Universitätsabschluss Voraussetzung für eine Kandidatur als Präsident.
Imamoglu hatte zuvor am Morgen auf der Plattform X ein Video veröffentlicht, in dem er davon sprach, dass Hunderte Polizisten vor seiner Haustür stünden. "Wir befinden uns im Angesicht einer großen Tyrannei", schrieb er dazu. Er werde aber nicht aufgeben. Mehrere Fernsehsender berichteten, die Polizei habe sich Zutritt zu Imamoglus Anwesen verschafft und das Gebäude durchsucht.