Klimaschutz
Energiesparer – Bäcker beheizt mit Brotwärme Wohnung
Bäcker leiden besonders unter den hohen Energiekosten. Die Wiener Bäckerei Grimm nutzt die Backstubenwärme und spart damit effizient Energie ein.
Die Bäckerei Grimm in der Kurrentgasse 10 ist nicht leicht zu finden, dennoch ist der Wiener Innenstadt-Bäcker gut besucht. "Ich verarbeite ausschließlich Naturprodukte", erzählt Bäckermeister Andreas Maderna (55). Das schätzen auch seine treuen Kunden, 80 Prozent sind Stammkunden.
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Seit über zwanzig Jahren betreibt Maderna die Bäckerei Grimm mit vier Filialen in Wien. Insgesamt beschäftigt er 18 Mitarbeiter. "Heute" trifft ihn um 11:00 Uhr vormittags in seiner City-Filiale. Der Bäckermeister werkt bereits seit 20:30 Uhr. Auch wenn Maderna nach einer langen Arbeitsnacht schon etwas müde wirkt, ist er motiviert sowie bester Laune: "Ich erschaffe jeden Tag wundervolle Produkte. Es macht mich glücklich, wenn ich sehe, wie meine Kunden gut gelaunt die Bäckerei verlassen, meine Brötchen oder Croissants genießen!"
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Verkehrte Fußbodenheizung
Umweltschutz ist Maderna ein großes Anliegen, deswegen hat er bereits 2014 eine Edelstahlkonstruktion zum Energiesparen an die Decke geschraubt. Mit dieser "verkehrten Fußbodenheizung" nützt der Bäcker die Backstubenwärme und beheizt damit sowohl den Verkaufsbereich als auch seine Wohnung in den oberen Stockwerken.
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"Die Hitze, die das Brot abgibt, wird absorbiert und über einen Wärmetauscher in Heißwasser umgemünzt", erklärt der Bäcker. Dusche und Heizung werden warm, die Backstube bleibt währenddessen angenehm kühl. Ein "paar Tausend Euro" spart sich Maderna dadurch jedes Jahr.
Energiekosten im vergangenen Jahr vervierfacht
Die steigenden Strom- und Gaspreise bekommt auch Maderna zu spüren. Seine Energiekosten haben sich im vergangenen Jahr nahezu vervierfacht. Rund 62.000 Euro zahlt der Bäcker heuer für Gas, beim Strom werden 46.000 Euro fällig. 2021 waren es insgesamt für Strom und Gas 34.000 Euro.
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Damit steigt der Familienbetrieb noch relativ glimpflich aus. Denn viele Bäcker trifft die Teuerung noch viel massiver, viele müssen schließen weil sie sich die hohen Energiepreise nicht mehr leisten können.
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"Die Energiekosten sind bis zu zehn Mal höher als vergangenes Jahr. Viele Bäckereien denken daran, für immer zu schließen”, sagt Josef Schrott, Innungsmeister des WKO-Bundesverbands der Bäcker gegenüber der APA.
Die Branche steht durch Billigweckerln vom Diskonter ohnehin schon massiv unter Druck. Die hohen Strom- und Gaspreise haben die Situation in den vergangenen Monaten zusätzlich verschärft.
Laut Wirtschaftskammer verbraucht eine durchschnittliche Bäckerei 350 Megawattstunden (MWh) pro Jahr. Ein Haushalt verbraucht zum Vergleich 3,5 MWh.
Klimaschutz rechnet sich
Im Jahr 2000 hat Andreas Maderna die Bäckerei von seinem Vater übernommen. Seit 1563 werden in der Traditionsstube in der Wiener City Sauerteige von Menschenhand kräftig gewalkt und gerollt. Seit den 1960-ern ist die Bäckerei Grimm in Familienbesitz.
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Fertige Brot-Teiglinge sind Maderna ein Gräuel. Seine Brotlaibe, Weckerln und Süßspeisen werden aus Dinkel, Roggen oder Buchweizen täglich frisch zubereitet. Qualität, die man schmeckt, und dies "zu fairen Preisen", was dem Bäcker aus Leidenschaft wichtig ist.
Die Wärme der Backstube einfach durchs Fenster entweichen zu lassen, kam für Maderna nicht in Frage. Sein vor acht Jahren durchgeführter klimafreundlicher Umbau kommt ihm heute auch finanziell zugute. Klimaschutz rechnet sich eben.
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