Hinter einem mysteriösen Krankheitsausbruch im Westen der Demokratischen Republik Kongo stecken nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) womöglich Vergiftungen. Der Notfall-Direktor der WHO, Mike Ryan, sagte am Freitag bei einer Pressekonferenz, Tests auf hämorrhagische Fieber wie Marburg oder Ebola seien negativ gewesen. Es sehe eher "nach einem toxischen Ereignis aus", erläuterte Ryan.
Demnach könnte die Vergiftung eine biologische Ursache haben, wie etwa eine Meningitis, oder von Kontakt mit chemischen Substanzen herrühren. Örtliche Behörden hätten darauf hingewiesen, dass es ein "sehr hohes Verdachtsmoment für ein Vergiftungsereignis" im Zusammenhang mit einer Wasserquelle in einem Dorf gebe, sagte Ryan.
Zuvor waren im Territorium Basankusu in der Provinz Equateur nach WHO-Angaben 158 Krankheits- und 58 Todesfälle gemeldet worden. Vergangene Woche erkrankten 141 weitere Menschen. Im nahegelegenen Territorium Bolamba waren vergangenen Monat zwölf Menschen erkrankt, acht starben.
In der DR Kongo gab es in den vergangenen Jahren zahlreiche Krankheitsausbrüche, darunter etwa Mpox. Mehrere zunächst unerklärliche Todesfälle im Oktober und November vergangenen Jahres waren schließlich auf Malaria und Atemwegserkrankungen in Verbindung mit Unterernährung zurückgeführt worden.
Ryan beklagte, dass die Welt nur Aufmerksamkeit zolle, wenn es eine Bedrohung gebe, die sich über die Grenzen der DR Kongo hinaus ausbreiten könnte. "Sobald wir festgestellt haben, dass es sich nicht um ein großes neues, weltweit tötendes Virus handelt, verlieren wir alle das Interesse", sagte er.