Krisen rechtzeitig erkennen

Depression, Demenz, Sucht – so wappnen sich nun Chefs

Belastungen im Job nehmen zu, psychische Probleme sind für Betroffene und auch Kollegen eine Qual. Jetzt setzen immer mehr Firmen auf Ersthelfer.
Lea Strauch
20.02.2025, 04:00

Mentale Gesundheit wird in der Arbeitswelt immer wichtiger – und das aus gutem Grund: Psychische Belastungen sind längst keine Ausnahme mehr, sondern betreffen Mitarbeiter quer durch alle Branchen.

Besonders alarmierend ist die Situation schon bei jungen Erwachsenen – speziell Studierenden: Seit der Corona-Pandemie schätzen sie ihre Gesundheit immer schlechter ein. Der Anteil an Studierenden mit psychischer Erkrankung hat sich seitdem fast verdoppelt.

"Die WHO geht davon aus, dass 2030 unter den Top 5 der weltweiten Erkrankungen drei psychische vorkommen werden – Depression, Demenz und Suchterkrankungen", erklärt Andrea Viertelmayr von pro mente OÖ.

Sie ist Projektkoordinatorin und Instruktorin für "Erste Hilfe für die Seele" – in den Seminaren lernen Mitarbeiter oder Führungskräfte, psychische Krisen frühzeitig zu erkennen und Betroffene zu unterstützen. Immer mehr Unternehmen nehmen das Angebot an: In Oberösterreich wurden so schon 1.500 Ersthelfer ausgebildet.

Enttabuisierung, weniger Krankenstände

Aufeinander zugehen, gut gemeinte Ratschläge sparsam dosieren und das Gegenüber nicht bewerten – unter anderem diese Tools lernen die Teilnehmer in den Seminaren praxisnah. Die "Erste Hilfe für die Seele"-Kurse bieten maßgeschneiderte Inhalte für Erwachsene, Jugendliche und Führungskräfte, mit speziellem Fokus auf die Arbeitswelt.

„Eine richtige Reaktion auf eine psychische Erkrankung ist genauso wichtig wie das Wissen um eine Herzdruckmassage.“
Andrea ViertelmayrProjektkoordinatorin und Instruktorin für "Erste Hilfe für die Seele" bei pro mente OÖ

"Eine richtige Reaktion auf eine psychische Erkrankung ist genauso wichtig wie das Wissen um eine Herzdruckmassage", betont die Expertin. Die Maßnahmen tragen nicht nur zur Enttabuisierung bei, sondern verbessern auch das Betriebsklima und reduzieren Krankenstände. Denn: "Psychische Erkrankungen haben in Österreich die zweitlängste durchschnittliche Krankenstandsdauer."

Ein Vorreiter in diesem Bereich ist die Lenzing AG. Das Unternehmen aus Oberösterreich implementierte das "Erste Hilfe für die Seele"-Programm schon erfolgreich: "In einer Zeit, in der Stress und psychische Belastungen in der Arbeitswelt zunehmen, ist es uns ein besonderes Anliegen, die mentale Gesundheit unserer Belegschaft aktiv zu fördern."

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