Balkan-Bandenkrieg in Wien

Rache für Figlmüller-Mord: Prozess um Bomben-Attentat

Erst per Bombe, dann durch Narco-Killer aus Kolumbien sollten Balkan-Mafiosi in Ottakring getötet werden. Die Anklage liest sich wie ein Mafia-Film.
Wien Heute
31.03.2025, 15:02

Am Dienstag findet am Wiener Landesgericht ein Prozess unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt, der unglaubliche Abgründe aus der tiefsten Unterwelt ans Tageslicht bringen dürfte. Im Zentrum steht eine geplante Racheaktion für den 2018 in der Innenstadt erschossenen Serben, der dem Skaljari-Clan zugerechnet wird. Der per Kopfschuss hingerichtete Balkan-Mafiosi hatte zuvor beim Figlmüller ein Schnitzel verspeist.

Zwei dem hinter dem Attentat vermuteten Kavač-Clan zugehörige Männer – ein heute 47-jähriger Serbe und ein 56-jähriger Montenegriner – sollen 2020 als Opfer auserkoren worden sein, um den blutigen Mafiamord auf offener Straße standesgemäß zu rächen.

Elf Mitglieder des Skaljari-Clans waren laut Ermittlern mit der Planung betraut – darunter auch ein 29-jährige Montenegriner, der jetzt wegen versuchten Mordes sowie Bestimmung zum versuchten Mord vor Geschworenen verantworten muss.

Er soll die beiden Opfer observiert und deren Tötung geplant haben – zuerst "durch einen Bombenanschlag und wenn das nicht hinhaut, durch kolumbianische Auftragskiller in Wien", erklärte Daniel Lichtenegger, der Leiter des Büros für Suchtmittelkriminalität im Bundeskriminalität nun in einem Pressegespräch.

Der aus Montenegro operierende Kavač-Clan führt seit dem Verschwinden einer 200 Kilogramm schweren Drogenlieferung im Jahr 2014 in Spanien einen offenen Mafia-Krieg mit dem ebenfalls aus der Hafenstadt Kotor stammenden Skaljaris um die Vorherrschaft des Drogenhandels in Europa. Weltweit starben bereits 80 Menschen durch Schießereien, Folter oder gezielten Bombenattentate.

Laut Anklage scheiterte der Mordanschlag in Wien-Ottakring nur, weil ein Zufall den Opfern das Leben rettete. Denn am 22. Februar 2020 versagte die Zündung und der 47-Jährige konnte unversehrt ein Balkan-Lokal verlassen und in sein Auto steigen. "Das wäre eine Katastrophe gewesen, wenn es zur Zündung gekommen wäre. Da hätte es vermutlich die halbe Koppstraße zerrissen", wird Dieter Csefan, Leiter des Büros für organisierte Kriminalität, von der APA zitiert.

Ein zweiter Mordversuch scheiterte an der Sprachbarriere der extra aus Kolumbien angeheuerten Auftragskiller, die vom Angeklagten nach Österreich eingeschleust worden sein sollen (es gilt die Unschuldsvermutung). Sie kamen zu spät an den ausgemachten Zielort.

Übrigens: Die beiden Auftraggeber des Komplotts starben laut APA bereits im Oktober bzw. im November 2020 in der Türkei sowie in Montenegro. Sie wurden dort entführt, gefoltert und erschossen. Einer der angeheuerten Kolumbianer erlag in der Heimat offenbar an einer Pestizid-Vergiftung, der andere wurde im Februar 2024 in Bar in Montenegro geschnappt.

Ermittler lasen Chats mit – so flog alles auf

Aufgrund vom FBI in Mafia-Organisationen eingeschleusten und von der Arbeitsgruppe "Achilles" im BKA ausgewerteten Kryptohandys liegen im unglaublichen Fall detaillierte Kommunikationsprotokolle vor, auf denen die Anklage fußt.  Zuletzt wurde so auch dem Drogenboss Dexter das Handwerk gelegt und der Prozess gemacht – wir berichteten.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 01.04.2025, 12:58, 31.03.2025, 15:02
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