Es ist nicht vorstellbar: 505 Tage war der Österreicher Tal Shoham (39) in der Gefangenschaft von Hamas-Terroristen. Bis vor einer Woche hatte niemand außerhalb von Gaza Informationen über seinen Gesundheitszustand. Es war nicht einmal gesichert, ob er noch am Leben war.
Dann der große Moment: Vergangenen Samstag kam Tal Shoham frei. Seine Peiniger, die Terror-Gruppe Hamas, ließen ihn wieder gehen.
Welche Qualen Tal Shoham – er hat die Doppelstaatsbürgerschaft Österreich-Israel – erdulden musste, ist nicht restlos geklärt. Noch sind die Wunden zu frisch, um ihn intensiv darüber zu befragen, erfährt "Heute".
Einer der Personen, die dennoch viel wissen, ist der Vater der Ex-Geisel. Gilad Korngold ist auch Österreicher, er nahm sich zwei Tage nach der Freilassung lange Zeit, um auch mit "Heute" über seinen Sohn zu sprechen.
„Neun Monate lang täglich ein kleines Fladenbrot und zwei Löffel Käse“Gilad KorngoldVater der österreichischen Geisel
"Mehr als zehn Monate lang wurde mein Sohn unter der Erde (Anm.: in einem der Tunnel unter Gaza) ohne frische Luft, ohne Sonne und ohne Vitamine gefangen gehalten. Es gab dort kaum Platz, um sich zu bewegen."
Die Peiniger der Hamas ließen die Geiseln hungern: "Stellen Sie sich vor, neun Monate lang bekam mein Sohn täglich eine Pita (ein kleines Fladenbrot) und zwei Löffel Käse – das war‘s!", erzählt sein Vater. In der Geiselhaft verlor Tal Shoham 25 Kilo – ein gefährlicher Zustand.
Andere Geiseln haben einen sehr verwirrten Eindruck nach der Freilassung gemacht, Tal Shoham nicht: "Es war großes Glück, dass er nicht allein war. Die 10 Monate im Tunnel war er gemeinsam mit anderen Geiseln."
Wir fragen den Vater, ob Shoham überhaupt mitbekam, was in Israel und in Gaza los ist: "Die Terroristen haben ihn am Laufenden gehalten. Auch über den verzweifelten Kampf seiner Familie um seine Freilassung haben sie meinem Sohn erzählt. Und zeitweise bekam er sogar ein Radio, da hörte er die Nachrichten – er war gut informiert."
Mehrere Monate lang – am Anfang der Geiselhaft – wurde Tal in einer Wohnung gehalten. Mehr weiß man noch nicht über diese Zeit.
Am Samstag – nach eineinhalb Jahren des Horrors – konnte seine Familie ihn endlich wieder in die Arme schließen. Doch bevor es so weit war: "Sein großer Wunsch war, dass er zuerst duschen darf. Er wollte den Geruch von Gaza abwaschen", erzählt sein Vater. Dann erst kam die tränenreiche Wiedervereinigung mit seiner Frau Adi, Sohn Naveh (8) und Tochter Yahel (3).
Die Eskalation begann am 7. Oktober 2023. Tausende Hamas-Terroristen drangen damals in Israel ein. Sie massakrierten mehr als 1.200 Menschen. Sie vergewaltigten Frauen, Kinder und auch Männer. Und sie nahmen Hunderte Geiseln, verschleppten sie nach Gaza. Einer von ihnen war Tal Shoham (39). Aber: Noch immer sind 63 Geiseln in den Fängen der Hamas-Terroristen. Ihr Schicksal ist völlig ungewiss.