Yusuf hat offenbar wieder so richtig Lust, Cat Stevens zu sein. Beim Auftakt seiner Europatour, die den 66-Jährigen am 13. November in die Wiener Stadthalle führt, präsentierte sich der Brite am Dienstagabend beim Heimspiel in London so, wie ihn seine Fans lieben: als Pop-Troubadour mit Hits, die sich in die Gehörgänge schmiegen. Als Draufgabe machte er den Bluesman.
, präsentierte sich der Brite am Dienstagabend beim Heimspiel in London so, wie ihn seine Fans lieben: als Pop-Troubadour mit Hits, die sich in die Gehörgänge schmiegen. Als Draufgabe machte er den Bluesman.
"Seid ihr gekommen, um Cat Stevens oder Yusuf zu sehen?", fragte der Musiker, der sich nach einer Nahtoderfahrung und dem Übertritt zum Islam Ende der 70er-Jahre aus dem Showgeschäft komplett zurückgezogen hatte. Seit 2006 veröffentlicht er unter Yusuf wieder Popplatten, mit dem ist ihm auch wieder ein relevantes Album gelungen. "Ihr bekommt heute Zwei für einmal zahlen", kündigte Yusuf/Cat Stevens - wie man ihn mittlerweile schreiben "darf" - dem Publikum in dem innerhalb weniger Minuten ausverkauft gewesenen Eventim Apollo an.
Zum Auftakt des Konzertes, eingeläutet von einer Bluesgitarre, aus der sich ein Fragment des Stevens-Klassikers "Peace Train" schälte, gab es eine gute Stunde lang den Pop-Barden, der mit Hits wie "The Wind", "Wild World", "The First Cut Is The Deepest" oder "Where Do The Children Play" Evergreens geschrieben hat. Diese Lieder standen ganz oben am Programm. Und trotz des kurzen "Peace Train"-Einstieges (das komplette Lied folgte am Ende) musste man sich nicht wie auf der Tournee von 2011 damit begnügen, die großen Erfolge teilweise in Medleys serviert zu bekommen. Cat Stevens - ja genau, Cat Stevens und nicht Yusuf gab zunächst den Ton an - brachte sie mit viel Verve, unterstützt von einer Band, die auch mal laut werden konnte.
"Peace Train ... Late Again" lautet das Motto der Tournee. Den Frieden suchte Yusuf mit seinen Songs, auf große Reden verzichtete er an diesem Abend. Auch wenn der Bahnhof, der als Kulisse dient, auf dessen Veranda bzw. Vorgarten die Protagonisten stehen, durchaus kitschig wirkt, hat Yusuf den Schmalzfaktor deutlich zurückgefahren.
Mit dem ersten richtigen Schlager aus der Feder von Cat Stevens hatten The Tremeloes in den Sechzigern reüssiert: "Here Comes My Baby", das Yusuf gestern als wunderbaren Bubble-Gum-Pop aufbereitete. Dass er seine Stücke "gerne etwas anders arrangiert", wie der Künstler betonte, tat etwa "Bitterblue" nur gut. Manche Yusuf-Beiträge ("Roadsinger" insbesondere) fügten sich fast nahtlos zwischen die Stevens-Hits ein, andere wiederum schleppten viel Pathos mit - da kam die eingestreute Coverversion des Beatles-Geniestreichs "All You Need Is Love" gerade recht.
Mut hat er: Nach einem umjubelten Greatest-Hits-Teil stand das neue Werk im Mittelpunkt - nämlich mit allen darauf vertretenen Nummern am Stück. Da wurden die Bluesgitarren ausgepackt, da passte es perfekt, dass die Stimme des Sängers mittlerweile etwas rauer geworden ist. Mit dem "Editing Floor Blues" nahm Yusuf musikalisch zu Vorwürfen gegen seine Person Stellung. Die Zeitungen hätten ihn falsch wiedergegeben bzw. die Wahrheit verschwiegen, wie es in dem Lied heißt. Der Engländer stand mehrmals wegen angeblicher homophober und frauenfeindlicher Äußerungen in der Kritik, außerdem soll er den Mordaufruf gegen den Schriftsteller Salman Rushdie gerechtfertigt haben.
Aber darüber machte sich wohl kaum jemand Gedanken, vielmehr setzte es Standing Ovations beim großen Finale mit "Moonshadow", "Morning Has Broken", "Father & Son" und eben "Peace Train". Die Welt hat Cat Stevens wieder - aber überzeugen Sie sich selbst: Schon kommende Woche, am 13. November, gastiert Yusuf/Cat Stevens in der Wiener Stadthalle.
APA/red.