Als Nathalie* 13 war, verliebte sie sich in Roberto*. Nur war der Angehimmelte damals bereits 30 Jahre alt. Eine Liebesbeziehung hätte daraus laut Gesetz nie werden dürfen – es passierte trotzdem. "Ja, ich hatte was mit ihr", gestand Roberto. Erstmals gab er am Dienstag vor Gericht die Beziehung mit Nathalie zu. Es habe irgendwie angefangen. "Es war blöde, das macht man nicht."
250 mal Sex
Vor eine Schweizer Strafgericht muss sich der 36-jährige Italiener jetzt wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit Minderjährigen, Freiheitsberaubung, Betäubungsmitteldelikten und Fahren ohne Führerschein verantworten. Bis Nathalie aus dem Schutzalter heraus war, soll es ihren Schilderungen zufolge über 250 mal zum Geschlechtsverkehr gekommen sein. Zudem soll er ihr auch Marihuana gegeben haben.
Wie kam das Sperma auf ihre Unterhose?
Das Mädchen kommt aus schwierigen familiären Verhältnissen. Roberto kannte sie bereits gut, er ist der Taufpate ihres Halbbruders. Als ihre Mutter 2012 die Obhut über sie verlor, begann für Nathalie eine Heimkarriere. Immer wieder büxte sie aus und suchte Zuflucht bei Roberto, mit dem sie sich einst eine gemeinsame Zukunft mitsamt Kindern erträumte. Während sogar eine Fahndung nach ihr lief, wohnte sie bei einem Freund Robertos in Ettingen.
Dass sie zeitweise fast täglich Sex gehabt haben sollen, stritt er aber ab. Allerdings konnte die Staatsanwaltschaft auf zwei verschiedenen Unterhosen von ihr, die sichergestellt wurden, Spermaspuren von ihm nachweisen. Sie habe das Sperma vermutlich aus einem Kondom geklaut und eingeführt, mutmaßte der Beschuldigte in einer früheren Einvernahme. Mit der Sperma-Klau-Ausrede ist allerdings auch schon Boris Becker auf die Nase gefallen.
Er riskierte, dass sie schwanger wird
Es ist auch der Beweis, dass die beiden mehrfach ungeschützten Verkehr hatten. "Er hat auf ihr Alter keine Rücksicht genommen und riskierte gar ihre Schwangerschaft", so der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Er fordert für Roberto eine fünfjährige Haftstrafe. Strafverschärfend käme für ihn hinzu, dass er nach dem Verlust des Führerscheins gleich acht Mal hinter dem Steuer eines Autos erwischt wurde. Sein Geständnis sei zudem nur taktischer Natur gewesen.
"Sie hatte ihn in Versuchung geführt"
Der Verteidiger machte in seinem Plädoyer eine Verschleppung des Verfahrens geltend. Während 28 Monaten sei keine Untersuchungshandlung vorgenommen worden.
Und er stellte die Täter-Opfer-Rollenteilung infrage. "Sie hatte das doch auch gesucht und ihn in Versuchung geführt." Folglich sei sein Mandant lediglich zu einer angemessenen Bewährungsstrafe zu verurteilen. Zudem sei nicht statthaft, die Geschichte mit Nathalie mit den Straßenverkehrsdelikten zu vermischen.
Das Urteil wird am Freitag erwartet.
*Namen geändert (lha)