Drama über Washington D.C.

Trump fand seine Schuldigen für Flugzeugunglück

Nach dem tödlichen Unglück in Washington gerät Donald Trump unter Druck – er hatte zuvor mehrere Flugsicherheitsexperten entlassen.
20 Minuten
31.01.2025, 09:15

Es scheint schon fast, als hätte US-Präsident Donald Trump bereits die Quittung dafür bekommen, dass er viele der wichtigsten Personen für die Flugsicherheit in seinem Land kürzlich gefeuert hat – rund zehn Tage später kollidierte ein Flugzeug von American Airlines mit 60 Passagieren und vier Besatzungsmitgliedern an Bord mit einem Armeehelikopter. Mindestens 28 Leichen wurden am Donnerstagmorgen aus den eisigen Gewässern des Potomac-Flusses geborgen.

Auf Anordnung Trumps kam es in den Tagen nach seiner Amtseinführung zu etlichen Entlassungen und Einsparungen. Kritik kam von den Demokraten, die Trump vorwerfen, Sicherheit und Kontinuität im Luft- und Küstenschutz zu gefährden.

Entlassungen:

  • David Pekoske, Chef der Transportation Security Administration (TSA), obwohl er ursprünglich von Trump selbst ernannt wurde.
  • Admiral Linda Fagan, Chefin der US-Küstenwache (Coast Guard) und erste Frau in diesem Amt.
  • Aviation Security Advisory Committee: Alle Mitglieder des Gremiums, das nach dem Lockerbie-Anschlag zur Flugsicherheit gegründet wurde, wurden entlassen – das Komitee existiert nun ohne Mitglieder.

Einsparungen:

  • Abschaffung mehrerer Beratungsgremien im Department of Homeland Security (DHS), offiziell, um "Ressourcenverschwendung zu vermeiden".
  • Neubesetzung der Leitung der Katastrophenschutzbehörde FEMA, die Trump für Versagen bei Naturkatastrophen kritisiert hatte.

Wie rechtfertigte Donald Trump die Entlassungen?

Trump entließ den Leiter der TSA nach wachsender Kritik an der Leistung der Behörde. Pekoske erhielt ein Memorandum aus Washington, in dem es hieß, dass das Heimatschutzministerium die Mitgliedschaft aller Beratungsausschüsse eliminiere, als Teil einer "Verpflichtung, den Missbrauch von Ressourcen zu unterbinden und sicherzustellen, dass die Aktivitäten des Heimatschutzministeriums unsere nationale Sicherheit priorisieren".

Die TSA steht seit Jahren in der Kritik wegen unzureichender Genauigkeit beim Gepäck-Scan und der Erkennung potenzieller Sicherheitsrisiken. Mehrfach waren auch Fälle von Korruption und mangelnder Integrität innerhalb der TSA bekannt geworden. Der Zeitpunkt war ideal: Der Regierungswechsel ermöglichte Trump, seine Kontrolle durch die Ernennung von loyaleren Beamten zu festigen.

Wurde Trump vor den Folgen der Kündigungen gewarnt?

Nur wenige Stunden vor dem Absturz in Washington hatte Thomas Schaller, Professor für Politikwissenschaft an der Uni Maryland, auf X vor dem Einstellungsstopp bei TSA gewarnt. "Ein mir bekannter FAA-Mitarbeiter bestätigt, dass es der Behörde bereits an ausreichend Fluglotsen mangelt. Die sogenannten ‹Buyouts› und andere Angriffe auf Bundesangestellte werden nicht helfen. Erinnert euch daran, wenn die Flugverspätungen (Abstürze?) beginnen und Trump-Anhänger anfangen, DEI oder Biden fälschlich die Schuld dafür zu geben", hatte Schaller geschrieben.

Auch andere Flugsicherheitsexperten hatten Bedenken über die Entlassung des TSA-Administrators geäußert. Einige von ihnen befürchteten, dass der Weggang einer erfahrenen Führungskraft die bestehenden Sicherheitsmaßnahmen schwächen könnte.

Wie reagierte Donald Trump am Donnerstag auf das Unglück?

Politikwissenschaftler Schaller hatte nicht ganz Unrecht mit seiner Einschätzung: Am Donnerstagnachmittag machte der US-Präsident Diversitätsprogramme bei der Flugsicherung für den Unfall verantwortlich. Die Programme bei der Bundesluftfahrtbehörde FAA zielten darauf ab, "Menschen mit schweren geistigen und psychischen Behinderungen einzustellen", sagte der Republikaner im Weißen Haus.

Er griff die Politik seiner demokratischen Vorgänger Barack Obama und Joe Biden an. "Für mich steht die Sicherheit an erster Stelle. Für Obama, Biden und die Demokraten steht die Politik an erster Stelle."

Pete Buttigieg, Verkehrsminister unter Joe Biden, reagiert auf X auf diese Aussagen und kritisierte Trump. "Verachtenswert", schrieb er, "Während die Familien trauern, sollte Trump Führungsqualitäten zeigen, nicht lügen. Wir haben Sicherheit an die erste Stelle gesetzt, haben die Zahl der Beinahe-Zusammenstöße verringert, die Luftverkehrskontrolle ausgebaut und bei Millionen von Flügen während unserer Amtszeit keine tödlichen Unfälle mit kommerziellen Flügen verzeichnet." Auch er wies auf die Entlassungen unter Trump hin.

Das soll der Grund für das Unglück sein

Als Ursache für das Unglück wies Trump auf einen Pilotenfehler in dem beteiligten Militärhelikopter hin, ohne Belege zu nennen. Der Helikopter hätte stoppen können, behauptete der 78-Jährige in einer Pressekonferenz. "Ich habe Helikopter, man kann einen Helikopter sehr schnell stoppen." Die Piloten in dem Helikopter hätten "sehen müssen, wohin sie fliegen".

Trump beklagte auch, die Flugsicherung am Hauptstadt-Airport habe zu spät eine Warnung ausgesprochen. "Diese Warnungen wurden sehr spät gegeben", kritisierte er. "Ich gebe nicht dem Fluglotsen die Schuld", schob er später nach. Er sage lediglich, dass es Dinge gebe, die man infrage stellen könne – wie die Tatsache, dass das Passagierflugzeug und der Militärhelikopter auf gleicher Höhe geflogen seien.

Zur Entlassung von TSA-Chef David Pekoske äußerte er sich nicht.

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