"Kein gewöhnlicher Fall"

Muskulöser Mafia-Killer schweigt vor Gericht eisern

Im Mafia-Prozess am Wiener Landl wurde der 29-jährige Verdächtige schwer bewacht vorgeführt. Zu den Vorwürfen zog der "Soldat" es vor, zu schweigen.
Christian Tomsits
01.04.2025, 15:00

Mit stoischem Blick und geradem Gang marschierte der 29-jährige montenegrinische Muskelberg Stefan K. am Dienstag eine halbe Stunde vor Prozessbeginn ins Landl, streng bewacht und flankiert von schwer gepanzerten maskierten Justizwachebeamten.

"Das ist kein gewöhnlicher Fall, den wir da heute verhandeln", trug der Staatsanwalt die Anklage vor, die sich wie "ein Drehbuch eines Film" lesen würde, "leider aber bittere Realität" sei. Der Angeklagte sollte als "Soldat" des gefürchteten Mafia-Clans "Skaljari" Ende Februar 2020 in Wien-Ottakring zwei angebliche Clanmitglieder der kontrahierenden Kavački-Gruppe beseitigen, einmal mit einer Autobombe und einmal durch zwei Auftragskiller aus Kolumbien. Beide Attentate waren zum Glück nicht erfolgreich.

Der aus Montenegro operierende Kavač-Clan führt seit dem Verschwinden einer 200 Kilogramm schweren Drogenlieferung im Jahr 2014 in Spanien einen offenen Mafia-Krieg mit dem ebenfalls aus der Hafenstadt Kotor stammenden Skaljaris um die Vorherrschaft des Drogenhandels in Europa. Weltweit starben bereits 80 Menschen durch Schießereien, Folter oder gezielten Bombenattentate.

In der Planung zur Racheaktion des Figlmüller-Mordes (Kopfschuss in der Wollzeile, 2018) "schreckte er nicht vor unschuldigen Toten zurück", so der Staatsanwalt. Eine Autobombe hätte nicht nur die Zielpersonen, "sondern die halbe Koppstraße zerrissen", hatte der Leiter des Büros für organisierte Kriminalität zu Protokoll gegeben. K. bekannte sich "nicht schuldig", danach verweigerte er jede weitere Aussage und zog es vor zu schweigen.

Ein Opfer (57) überlebte offenbar nur aufgrund von Kommunikationsproblemen zwischen den Bossen, den Kolumbianern und einem Übersetzer aus Ecuador gab – so kam der südamerikanische Profikiller zu spät zum Tatort. "Ich weiß nicht, warum mich jemand umbringen will", zeigte sich das Opfer im Zeugenstand unbeeindruckt.

Mit der montenegrinischen Mafia wollte überhaupt niemand etwas am Hut haben. Von Behörden mitgelesene Kryptochats, die vom BKA akribisch ausgewertet wurden, zeigen das Gegenteil. Die Unschuldsvermutung gilt.

{title && {title} } ct, {title && {title} } Akt. 01.04.2025, 15:53, 01.04.2025, 15:00
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