Stefan K. (29), der durch vom BKA ausgewertete Krypto-Chats belastet wurde, bekannte sich in seinem Mordprozess am Wiener Landesgericht "nicht schuldig", verweigerte danach jede weitere Aussage und zog es vor zu schweigen – wir berichteten.
Dienstagnachmittag der Paukenschlag: Freispruch vom Vorwurf der versuchten Beitragstäterschaft zu den Mord-Attentaten, nicht rechtskräftig.
Dennoch setzte es drei Jahre Haft – wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung.
"Das ist kein gewöhnlicher Fall", hatte der Staatsanwalt die Mordanklage eingeleitet, die sich wie "ein Drehbuch eines Film" lesen würde, "leider aber bittere Realität" sei. Der Angeklagte sollte als "Observator" des gefürchteten Mafia-Clans "Skaljari" im Februar 2020 in zwei angebliche Clanmitglieder der verfeindeten Kavački-Gruppe in Wien-Ottakring beseitigen, Ziel und Ort des Attentats bestimmen.
Der aus Montenegro operierende Kavač-Clan führt seit dem Verschwinden einer 200 Kilogramm schweren Drogenlieferung im Jahr 2014 in Spanien einen offenen Mafia-Krieg mit dem ebenfalls aus der Hafenstadt Kotor stammenden Skaljaris um die Vorherrschaft des Drogenhandels in Europa. Weltweit starben bereits 80 Menschen durch Schießereien, Folter oder gezielten Bombenattentate.
Eine Autobombe, die "die halbe Koppstraße zerrissen hätte" und zwei Auftragskiller aus Kolumbien scheiterten zum Glück. Eines der Opfer (57) überlebte wohl nur wegen Kommunikationsproblemen die Mafia-Racheaktion für den "Figlmüllermord" (Kopfschuss in der Wollzeile 2018). Übergeordnete Bossen (beide inzwischen zu Tode gefoltert) mussten zu lange auf einen Übersetzer aus Ecuador warten – die südamerikanischen Profikiller kamen zu spät.
"Ich weiß nicht, warum mich jemand umbringen will", gab sich das Opfer (57) unbeeindruckt – mit der Mafia will er – wie auch der Angeklagte – nichts am Hut haben. Für Verteidiger Dominik Wild habe auch der in Montenegro mehrfach strafrechtlich verfolgte Angeklagte mit Clans nichts zu tun. "Die Anklage stützt sich nur auf diese Krypto-Chats", monierte der Anwalt.
Tatsächlich hatten Geheimdienste manipulierte Handys kriminellen Organisationen weltweit untergejubelt. Reihenweise konnten so Mafia-Machenschaften mitgelesen und ausgewertet werden. In Österreich ist diese Art der Handyüberwachung zwar illegal, dennoch bekam das BKA die Dateien zugespielt und wertete sie aus. Im Zuge der Operation Achilles kam es zu Dutzenden Festnahmen. Ebenfalls auf Krypto-Chats fußende Urteile – wie das gegen Mafia-Paten Dexter – wurde zuletzt sogar höchstgerichtlich abgesegnet.