Nach einem Spaziergang in der Stockerauer Au im Mai 2020 änderte sich für Jasmin P. (32) aus Kleinwetzdorf (Bezirk Hollabrunn) alles. Gemeinsam mit ihrem Mann und den zwei Kindern (8, 11) war sie an dem frühsommerlichen Tag unterwegs.
Doch Jasmin wurde von einer Zecke gebissen und erkrankte schließlich schwer an Borreliose.
"Ich habe den Zeck zuerst nicht bemerkt", erinnert sich Jasmin. Als sie duschen gehen wollte, entdeckte sie dann einen schwarzen Fleck neben ihrem Bauchnabel. "Ich habe Panik bekommen und meine Mutter angerufen. Sie kam dann und hat ihn rausgezogen", erzählt sie im Gespräch mit "Heute".
Die ersten Symptome brachen wenige Tage später über die junge Mutter herein. "Zuerst habe ich auch gar nicht an den Zeckenbiss gedacht. Wanderröte hatte ich auch keine".
Wanderröte ist ein typisches Anzeichen nach einer Infektion mit Borreliose. Ein kreisrunder roter Fleck, der drei bis dreißig Tage nach dem Stich der Zecke auftaucht und sich ausbreitet. Bei Jasmin trat dieses Anzeichen jedoch nicht auf.
Die Niederösterreicherin erholte sich zunächst wieder. Doch ein paar Monate später, hatte sie plötzlich Lähmungserscheinungen, kam ins Spital. An eine Erkrankung mit Borreliose dachten die Ärzte da aber nicht.
Von da an begann der schwere Weg der 32-Jährigen, die heute sprichwörtlich ans Bett gefesselt ist. Neben der Borreliose wüten auch noch weitere Erreger – Babesien und Bartonellen – im Körper der jungen Frau.
"Die Infektionen spielen Pingpong mit mir", erzählt sie. "Es ist einfach furchtbar. Wenn ich raus könnte, zum Beispiel mit einem Rollstuhl, wäre es anders". Stattdessen fühle sie sich gefangen. "Man kann nicht einmal weglaufen", sagt sie.
Viel schlimmer, als die Bettlägerigkeit sei aber die Ungewissheit, die die Erkrankung mit sich bringt. "Ich habe jeden Tag Angst. Seit Jänner 2023 nehme ich jetzt Antibiotika". Werden diese abgesetzt, verschlimmern sich die Symptome schlagartig.
Seit Mai 2024 kann sie ihre Beine nicht mehr bewegen, hat täglich Verkrampfungen in den Gliedmaßen. Vor wenigen Monaten konnte sie sich zumindest noch selbstständig drehen. Heute kann sie aber nur noch auf dem Rücken im Bett liegen.
Jasmin hat trotz der schweren Erkrankung ihren Lebenswillen nicht verloren. Sie erzählt von Facebook-Gruppen, in denen weitere Betroffene von ihren Erfahrungen schreiben. "Viele warten nur darauf, dass der Tag der Tage kommt, an dem es endlich vorbei ist und sie wieder gesund sind", sagt sie bedrückt.
"Ich habe zwei Kinder und ich gebe nicht auf", äußert Jasmin voller Mut. Gepflegt wird sie derzeit von ihrem Mann. Er habe das Privileg, unter der Woche zu Hause bleiben zu können. Am Wochenende bekämen sie Unterstützung, damit ihr Mann arbeiten kann.
Doch die Situation zehrt auch finanziell enorm an der Familie. Bei einer Einstufung wurde ihr nur die Pflegestufe 1 zuerkannt. Anspruch auf Zahlungen des AMS habe sie ebenfalls nicht.
Zur Unterstützung, auch für kostspielige Therapien, wurde deshalb eine Spendenaktion auf der Plattform "gofundme" ins Leben gerufen. Wer Jasmin und ihre Familie unterstützen möchte, kann das HIER tun.
Die derzeit einzige Hoffnung für die junge Mutter ist eine neue Therapie namens "Supportive Oligonukleotid-Technik", kurz S.O.T.. Dabei werden in einem Labor in Griechenland Infusionen hergestellt, die speziell an die Patienten angepasst sind.
"Dort wird das Blut untersucht und je nachdem, was sie finden, wird die Infusion hergestellt", erklärt Jasmin. Maßgeblich seien dabei Erreger und Antikörper, die im Blut gefunden und vom Labor analysiert werden.
Grob erklärt, wird dabei eine Art "Absperr-Schlüssel" zum "Schloss" des Erregers hergestellt und dem Patienten verabreicht. Der Schlüssel bindet im Körper an das Schloss und blockiert dabei die Funktion des Krankheitserregers.
Für Jasmin ist jedenfalls klar: "Ich will wieder gesund werden, um am Leben meiner Familie wieder teilnehmen zu können."