Sport

Herr Dreier, können Sie von Ihrem Preisgeld leben?

Spitzensport kann gemein sein. Die Besten essen den Preisgeldkuchen ratzeputz auf - und der Rest schaut blöd durch die Finger. Auch im Ski-Zirkus.
Heute Redaktion
14.09.2021, 03:40

Spitzensport kann gemein sein. Die Besten essen den Preisgeldkuchen ratzeputz auf – und der Rest schaut blöd durch die Finger. Auch im Ski-Zirkus.

Marcel Hirscher verdiente in dieser Saison 284.768 Preisgeld – Ausrüster und Werbeverträge verdreifachen sein Gehalt. Teamkollege Christoph Dreier fuhr in den Slaloms ein paar Sekunden langsamer und bekam 868 Preisgeld. Der Jungpapa will nicht jammern.

"Ich hab’ einen Traumjob", sagt der 14. von Schladming. "Würde ich vier,fünf Monate ,skilehrern‘,wäre ich aber reicher. Für die Zukunft Geld zur Seite zu legen, ist nicht drin. Das war bei Skifahrern meiner Klasse vor fünf Jahren noch anders."

Die goldenen Jahre sind vorbei. Auf Dreiers Helm wirbt nicht Raiffeisen, sondern der Schwiegerpapa. "Harakiri" – eine Bar im Zillertal. „Das bringt mehr als zwei, drei Tausender auf die Hand.“ Marcel Hirscher hat noch nicht damit begonnen, seine Geldtürme abzutragen. "Mir fehlt die Zeit", sagt er Heute.

"Ich komme mit wenig Geld aus,habe alles,was ich brauche." Die Kluft zwischen ihm und Dreier schreckt ihn. "Er ist Weltspitze,ich bin Weltspitze.Zwischen uns liegt weniger,als die Zahlen zeigen." Fühlt sich Hirscher gerecht entlohnt? "Ja, schon. Es ist aber immer eine Frage der Brille, die du trägst: Golf, Formel 1, Freeclimbing oder Hammerwerfen."

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