Eine Szene aus dem Cincinnati-Finale zeigt, dass Novak Djokovic offensichtlich Kreatin konsumiert. Unsere Kollegen von 20 Minuten haben bei einem Experten nachgefragt, was das gehypte Supplement im Tennis nützt.
Dass der 36-jährige Tennis-Superstar auf ein spezielles Präparat zurückgreift, ist nicht neu. Allerdings machte der Serbe um den Inhalt bislang ein großes Geheimnis. "Die Flüssigkeit ist ein Zaubertrank, den mein Physio in seinem Labor zubereitet. Mehr kann ich dazu nicht sagen", erklärte Djokovic nach dem Australian-Open-Finale 2020. 2022 wiederholte er in Wimbledon seine Aussagen mit fast identischem Wortlaut.
Ein Kreatinkonsum des Djokers war in der breiten Öffentlichkeit bislang nicht bekannt. Kreatin ist eine körpereigene Substanz und gilt als eines der gefragtesten Nahrungsergänzungsmittel im Kraftsport. Die Nutzung des Stoffes ergebe aber auch in vielen anderen Sportarten Sinn, erklärt Dani Hofstetter gegenüber 20 Minuten.
"Kreatin ist die unmittelbarste Energiereserve, die wir in unserem Körper für schnelle, explosive Bewegungen anzapfen könne", erklärt der Ernährungsexperte. Bei einer richtigen Dosierung mit dem Supplement könne der Körper die Reserven vergrößern und somit länger und härter trainieren. "Gerade bei intermittierenden (mit Unterbrüchen) Belastungen wie im Tennis kann sich ein Spieler dadurch zwischen den Ballwechseln schneller erholen", beschreibt Hofstetter die Wirkung von Kreatin.
Der leistungssteigernde Nutzen von Kreatin ist unbestritten. Allerdings verwundert es, dass Djokovic das Mittel während der Partie einnahm. "Was wir in Cincinnati gesehen haben, ist eine Farce", meint Hofstetter. Die Studienlage beweise, dass man frühestens nach einer bis eineinhalb Stunden nach der Einnahme von Kreatin die volle Wirkung erreiche. Dazu komme, dass das Supplement normalerweise über eine gewisse Zeit lang regelmäßig eingenommen werde.
"Wenn Djokovic permanent Kreatin nimmt, ist er auf dem Platz nicht darauf angewiesen, es nochmals einzunehmen", sagt Hofstetter. Es könne höchstens einen psychischen Effekt haben. Dies etwa, wenn der Tennis-Superstar auf dem Court plötzlich bemerkt hätte, ein gewohntes Ergänzungsmittel vergessen zu haben. "Ich denke, die Szene in Cincinnati ist auch Show", analysiert der Experte und vermutet einen taktischen Kniff des Djokers. "Bei ihm weiß man nicht, ob es nicht einfach nur Theater ist, um den Gegner zu beeinflussen."