Die Behörden in Georgien und Thailand ermitteln gegen ein internationales Netzwerk des Menschenhandels mit Eizellen. Drei thailändische Frauen konnten aus einer illegalen Einrichtung in Georgien befreit werden. Sie wurden mit falschen Jobversprechen in die georgische Hauptstadt Tiflis gelockt und unter Zwang zur Abgabe ihrer Eizellen gedrängt. Medien berichten von einer regelrechten "Menschenfarm".
Die Täter sollen die Frauen mit Hormonen behandelt, betäubt und regelmäßig Eizellen entnommen haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass eine große Zahl weiterer Frauen betroffen ist. Hinter dem Menschenhändlerring sollen chinesische Kriminelle stecken, wie die "Bangkok Post" berichtet.
Die drei Frauen berichteten auf einer Medienkonferenz, dass sie über eine Facebook-Anzeige mit einem lukrativen Angebot nach Georgien gelockt wurden. Ihnen wurde versprochen, als Leihmütter für wohlhabende Paare zu arbeiten und umgerechnet bis zu 16.000 Euro zu verdienen. In Georgien ist kommerzielle Leihmutterschaft legal, weshalb sie keinen Verdacht schöpften. Nach ihrer Ankunft in Tiflis im August 2023 wurden sie jedoch auf ein abgelegenes Gelände gebracht – und durften es nicht mehr verlassen.
"Ich sah dort 60 bis 70 weitere Frauen aus Thailand", schilderte eine der Opfer. Von Leihmutterschaft sei nie die Rede gewesen. Die Frauen wurden jedoch mit Hormonen behandelt, um die Eizellenproduktion zu steigern. Einmal im Monat wurden sie betäubt und die Eizellen entnommen. "Wir haben nie ein einziges Paar gesehen, das eine Leihmutter suchte", so eine weitere Betroffene. Die georgischen Ermittler gehen davon aus, dass die Eizellen ins Ausland verkauft wurden, vermutlich an Kinderwunschkliniken.
Besonders perfide: Die Frauen erhielten für ihre Eizellen kein Geld. Wer sich weigerte, weitere Entnahmen über sich ergehen zu lassen oder fliehen wollte, musste umgerechnet fast 2.000 Euro zahlen. Eine Summe, die kaum jemand aufbringen konnte. Einige Frauen schafften es dennoch, sich freizukaufen. Eine von ihnen informierte schließlich die thailändische Pavena Foundation for Children and Women. Die Organisation setzte sich mit den Behörden in Verbindung und leitete die Rettungsaktion ein.
Die georgischen und thailändischen Behörden arbeiten nun eng zusammen, um das gesamte Netzwerk zu zerschlagen. Ziel ist es, weitere Opfer zu identifizieren und die Hintermänner zur Rechenschaft zu ziehen. "Das ist eine moderne Form der Sklaverei", erklärte Pavena Hongsakula, Präsidentin der Pavena-Stiftung.