Am Freitag endete ein Treffen zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodimir Selenski in einem beispiellosen Schlagabtausch. Trump hat daraufhin das Treffen abgebrochen. Wenig später verließ Selenski das Weiße Haus in Washington.
Es begann damit, dass Selenski eine Bitte um Sicherheitsgarantien der USA für eine mögliche Waffenruhe mit Russland vorbrachte. Vizepräsident JD Vance warf ihm daraufhin Respektlosigkeit und Undankbarkeit vor, Trump wiederholte die Anschuldigung nach Einwänden Selenskis und erklärte diesem, er sei nicht in einer Position, von den USA Zugeständnisse zu verlangen. Der US-Präsident überzog den Gast aus Kiew mit Vorwürfen und hielt ihm unter anderem vor, "das Leben von Millionen von Menschen aufs Spiel zu setzen" und mit seinem "Verhalten" einen dritten Weltkrieg zu provozieren.
Eigentlich trafen sich die beiden, um ein Abkommen zu unterzeichnen, das den USA Zugang zu Rohstoffvorkommen in der Ukraine sichern sollte. Das Weiße Haus hat bestätigt, dass diese Vereinbarung nicht unterzeichnet wurde.
Der BBC-Journalist Bernd Debusmann Jr. schreibt in einer Analyse: "Das Treffen im Oval Office war aus ukrainischer Sicht ein Worst-Case-Szenario." Es sei ein beispielloser Vorfall, solche Spannungen seien bisher selten so offensichtlich vor den Augen der Weltöffentlichkeit ausgetragen worden. "Diese Spannungen haben sich bereits seit einiger Zeit aufgebaut", ergänzt der Journalist. Er bezieht sich dabei auf eine Aussage Trumps, in der er den ukrainischen Präsidenten einen "Diktator" nannte.
In der Ukraine herrschte zunächst Entsetzen. "Wer freut sich am meisten darüber, was heute passiert ist? Ich denke, das ist (Russlands Präsident Wladimir) Putin", schrieb der oppositionelle Parlamentsabgeordnete Olexij Hontscharenko bei Telegram. Von der Sache her habe der Hauptverbündete live im Fernsehen alle Verbindungen abgebrochen. "Ich habe keine Worte", schloss er.
Der ukrainische Präsident selbst meldete sich bei X – und ließ sich nichts anmerken. Er schrieb: "Danke Amerika, danke für eure Unterstützung, danke für den Besuch. Danke Präsident Trump, Kongress und das amerikanische Volk. Die Ukraine braucht einen gerechten und dauerhaften Frieden, und genau darauf arbeiten wir hin."
Ein ukrainischer Offizier, der Stanislaw Buniatow genannt wird, schrieb laut CNN bei Telegram: "Trump versteht die aggressive Art der Verhandlungen und versucht, Selenski zu brechen. Es hätte keine hitzigen Diskussionen gegeben, wenn Trump zumindest einen Waffenstillstand entlang der Kontaktlinie mit minimalen Änderungen angeboten hätte." Er ergänzt: "Wie stellt man sich vor, Städte mit Menschen einfach abzugeben? Trump tut es, weil wir für ihn keine Menschen sind. Er verhandelt im Interesse Putins, also lasst euch nicht darauf ein."
Kirill Dmitriev, ein Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin, reagierte auf X und schrieb zu einem Videoausschnitt mit dem hitzigen Wortwechsel: "Historisch". Der Vizechef des nationalen Sicherheitsrats in Russland, Dmitri Medwdew, hat US-Präsident Donald Trump für seine Standpauke gelobt. Das sei eine "eiskalte Klatsche" gewesen. Trump habe Selenski "die Wahrheit ins Gesicht gesagt" und ihm erklärt, dass er mit dem dritten Weltkrieg spiele. "Und das undankbare Schwein bekam eine kräftige Ohrfeige von den Besitzern des Schweinestalls. Das ist nützlich."
Ins gleiche Horn bliesen auch die bekannten FPÖ-Politiker Harald Vilimsky und Dominik Nepp. "Großartig!!! Donald Trump haut diesen Selenski einfach aus dem Weißen Haus raus. Und tschüss", jubeln sie.
In einem Beitrag auf X wandte sich der polnische Premierminister Donald Tusk, an Selenski und erklärte: "Liebe ukrainische Freunde, ihr seid nicht allein."
Der französische Präsident Emmanuel Macron mahnt zu Respekt für Selenski und die Ukraine. "Es gibt einen Aggressor, und das ist Russland, und es gibt ein angegriffenes Volk, und das ist die Ukraine", sagte Macron am Freitagabend am Rande eines Staatsbesuches in Portugal. Macron rief dazu auf, "diejenigen zu respektieren", die seit Kriegsbeginn kämpften.