Wien

Caritas-Chef: "Schuljahr kostet Familien 1.400 Euro"

Teuerungen und Rekordinflation machen den Schulstart zur finanziellen Herausforderung für viele Familien – es herrscht große Sorge.
Yvonne Mresch
28.08.2023, 14:51
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Im Caritas Laden Mittersteig (Wien-Margareten) herrscht reges Treiben. Die jährliche Schulstartaktion, bei der Spenden für das anstehende Jahr gesammelt werden, hat einige Schnäppchen hervorgebracht. Benötigt werden sie heuer mehr denn je, wissen die Experten. Die Kosten für Schulsachen sind im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent gestiegen.

"Enorme Belastung für Familien"

"Für viele Eltern ist die Zeit des Schulstartes eine, die Sorge bereitet", sagt Caritas Wien-Chef Klaus Schwertner. "Nach Corona, Teuerungen und Rekordinflation ist es heuer eine besondere Situation und der Andrang bei unseren Angeboten sehr groß!" 1.400 Euro geben Familien laut einer Studie für ein Schuljahr in der Volksschule oder Unterstufe aus, 1.690 sind es in der Oberstufe. "Das ist eine enorme Belastung und für viele so nicht bewältigbar", so Schwertner.

353.000 Kinder und Jugendliche in Österreich sind armutsgefährdet, in Wien ist es beinahe jedes vierte Kind. Bildung und Armut gehen immer Hand in Hand, betont der Caritasdirektor. Von armutsgefährdeten Menschen habe mehr als ein Drittel einen Pflichtschulabschluss, bei Maturanten oder Uni-Absolventen liegt der Anteil an Armutsgefährdeten nur bei 15 bis 17 Prozent.

Schultaschen kosten bis zu 150 Euro

Mit den Lerncafés oder Aktionen wie jener im Carla Mittersteig zum Schulstart will die Caritas Familien unterstützen. Rund 8.500 Schüler aus 54 Schulen spendeten Materialien. "Viele erkundigen sich meist schon lange vorher, wann es wieder losgeht", erzählt Leiterin Elisabeth Mimra. "Sie freuen sich, denn man kann hier doch viel Geld sparen. Die schönsten Momente für uns sind, wenn ein Kind etwas gefunden hat und nicht mehr loslassen will, die Augen leuchten. Wenn die Mutter zuvor gesagt hat, man könne sich das nicht leisten und dann sieht sie, dass es doch geht." Besonders gefragt seien Schultaschen, die im Handel rund 120 bis 150 Euro kosten, im Carla jedoch bereits ab fünf Euro erhältlich sind. Aber auch Kleinigkeiten wie Stifte, Spitzer oder Blöcke kommen gut an – denn auch hier summieren sich die Preise.

Caritas fordert Reformen

Für die Caritas sind die Unterstützungsmaßnahmen der Bundesregierung zwar gut und wichtig, jedoch nicht genug. "Es ist kaum auszuhalten, wie wir Scheindebatten in der Innenpolitik erlebt haben, die von wesentlichen Problemen der Menschen ablenken", so Schwertner. "Der Druck auf die Familien steigt. Es braucht nachhaltige Reformen und hier ist die Bundesregierung gefordert. Bildung ist die beste Armutsprävention, das sehen wir sehr deutlich."

Hier kann man spenden:

Spendenabgabe:

Carla Mittersteig
Mittersteig 10, 1050 Wien

Carla Nord
Steinheilgasse 3, 1210 Wien

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr / Samstag von 9 bis 15 Uhr (Annahme bis 30 Minuten vor Schluss)

Carla Pop-Up Mariahilf
Mariahilfer Straße 3, 1060 Wien

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10 bis 19 Uhr / Samstag von 10 bis 18 Uhr

Online unter www.carla-wien.at

Die Caritas fordert eine Gesamtreform der Sozialhilfe mit einer bedarfsorientierten Mindestsicherung und einheitlichen Mindeststandards in ganz Österreich. Der Schulausgleichsfonds soll zu einer Dauereinrichtung werden und kostenlose Förderungsmaßnahmen langfristig ausgeweitet werden. "Österreich muss armutsfest werden", fasst Schwertner zusammen und appelliert: "Ich bitte all jene, die unterstützen können, dringend zu helfen." Die Schulstartaktion läuft noch bis Mitte September, gesammelt wird aber das ganze Jahr über.

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