Wien

Beispiellose Eskalation der Gewalt in Wien-Favoriten

Gleich drei Mal sind Streitigkeiten in Favoritner Familien am Sonntag aus dem Ruder gelaufen. Die Polizei musste mit WEGA-Unterstützung einschreiten.
Roman Palman
07.03.2022, 11:34

Schon in den Nachtstunden gab es den ersten Einsatz: "Gewalt in der Privatsphäre" lautete das Alarm-Stichwort. Am Vormittag- und Nachmittag mussten die Beamten jeweils noch einmal ausrücken. Gleich mehrfach waren bei den brutalen Eskalationen Alkohol und Messer im Spiel. Sogar die WEGA musste anrücken. Das dramatische Einsatzprotokoll der Favoritner Polizisten im Detail:

02:30 Uhr

Ein 21-Jähriger und seine 54-jährige Mutter hatten sich in der gemeinsamen Wohnung aufgehalten, als der 52-jährige Stiefvater mitten in der Nacht sturzbetrunken nach Hause kam. Der Türke geriet grundlos mit seiner Frau in Streit und verhielt sich äußerst aggressiv.

Der 21-Jährige versetzte daraufhin seinem Stiefvater einen Kopfstoß – dann eskalierte die Situation. Der Mann packte ein Küchenmesser und bedrohte seine Familie. Die beiden konnten sich in ein Zimmer flüchteten und darin einsperren, voller Zorn hackte der Tatverdächtige dann mit dem Messer auf eine Tür ein.

Der Sohn alarmierte die Polizei, während sein Stiefvater aus der Wohnung flüchtete. Kurze Zeit später stellte sich der Tatverdächtige in einer Polizeiinspektion und wurde festgenommen. Bei ihm wurde eine Alkoholisierung von 1,36 Promille gemessen. Die Polizisten sprachen ein Betretungs- und Annäherungsverbot aus.

09:25 Uhr

Zwischen einer 44-Jährigen und ihrem Ehemann, einem 25-jährigen Nigerianer, soll es beim Frühstück zu einer Auseinandersetzung gekommen sein. Als sich die Frau mit dem gemeinsamen Kind (4) im Badezimmer einschloss, soll der Mann mit einem Küchenmesser durch den Deckenspalt gestochen und Drohungen ausgesprochen haben.

Als die Frau die Polizei alarmierte, verließ der aggressive Gatte die Wohnung, kam jedoch während des Einsatzes wieder zurück. Die Polizisten nahmen den Tatverdächtigen fest und sprachen ein Betretungs- und Annäherungsverbot gegen ihn aus. Die Frau und das Kind wurden nicht verletzt.

16:15 Uhr

Am Nachmittag eskalierte schließlich die Situation zwischen einer 39-Jährigen, ihrer 32-jährigen Freundin und ihrem 33-jährigen Ex-Lebensgefährten. Der Mann soll dabei ordentlich Alkohol und Medikamente gekippt haben, wodurch er aggressiv wurde. Als auch er dann zu einem Küchenmesser griff und seine Ex-Freundin damit bedrohte, flüchtete diese aus der Wohnung der 39-Jährigen.

Beamte des Stadtpolizeikommandos Favoriten nahmen den Mann mit Unterstützung der Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (WEGA) in der Wohnung fest. Auf Grund seines offensichtlich berauschten Zustandes, eine Messung ergab knapp 1,4 Promille, konnte er keine sinnvollen Angaben zum Sachverhalt machen. Die Polizisten sprachen auch gegen ihn ein Betretungs- und Annäherungsverbot aus.

Hilfsangebote Kriminalprävention

Die Wiener Polizei ist Ansprechpartner für jedes Opfer von Gewalt und duldet keine Gewalt, gleichgültig in welcher Form. Der Polizei-Notruf (133) ist jederzeit für Personen, die Gewalt wahrnehmen oder von Gewalt betroffen sind, erreichbar. Auch der 24-Stunden Frauennotruf (01/71719) und der Frauenhaus-Notruf des Vereins Wiener Frauenhäuser (05 77 22) sind rund um die Uhr besetzt. Das Landeskriminalamt Wien, Kriminalprävention, bietet zusätzlich Beratungen unter der Hotline 0800/216346 an.

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