Gewalt in der Familie und in der Beziehung gehört in Wien leider zum Polizei-Alltag. Zehn Betretungs- und Annäherungsverbote werden täglich ausgesprochen, so Polizeijurist Walter Dillinger Mittwoch bei einem Info-Gespräch. Im Vorjahr wurden 3.000 Gefährder angezeigt, Tendenz steigend. 90 Prozent waren männlich.
Ab September müssen Gefährder verpflichtend eine sechsstündige Gewaltpräventions-Beratung absolvieren. Die Polizei und der Verein Neustart verstärken in Wien die Zusammenarbeit. "Das Opfer muss im Fokus bleiben, aber man muss auch dort ansetzen wo die Probleme herkommen – beim Täter", so Dillinger. In den Beratungen erfolgt eine Gefährdungseinschätzung, so Neustart-Leiter Nikolaus Tsekas. "Leider gibt es keine 100 prozentige Erfolgsquote".
Wird von der Polizei ein Annäherungsverbot ausgesprochen, so ist Täter zu sechs Beratungsstunden verpflichtet. Fünf Tage hat er Zeit sich bei Neustart zu melden, ansonsten droht eine Verwaltungsstrafe. Die Einzelgespräche sollen schnellst möglich begonnen werden, können dank der Dolmetscher in so gut wie jeder Sprache geführt werden. Die Anwesenheit des Verdächtigen alleine reicht allerdings nicht aus. Er ist dazu verpflichtet sich auch aktiv an der Beratung zu beteiligen.
Ziel dieser neuen Maßnahme ist es auch, eine bessere Vernetzung zwischen Polizei, Opferschutz und Täter-Untersuchung zu finden. Denn die Einzelgespräche könnten künftigen Gewalttaten vorbeugen, was wiederum dem Opfer mehr Schutz bieten würde.
Nikolaus Tsekas, Leiter von Neustart Wien, ist überzeugt, dass die Beratungsstunden etwas bewirken werden. Die Täter erhalten rechtliche Informationen und bei Bedarf Angebote für langfristige Weitervermittlung. Außerdem erfolgt eine intensive Auseinandersetzung mit dem delikthaften Verhalten.